Europa

Analyse: Die Euro-Dollar-Parität stellt die EZB vor kostspielige Entscheidungen

FRANKFURT, 13. Juli (Reuters) – Der Absturz des Euro auf die Parität gegenüber dem Dollar hat die Europäische Zentralbank gegen eine Wand gedrückt und ihren politischen Entscheidungsträgern nur schmerzhafte und wirtschaftlich kostspielige Entscheidungen überlassen.

Eine weitere Abwertung der Währung würde die bereits rekordhohe Inflation in die Höhe treiben und das Risiko erhöhen, dass sich das Preiswachstum deutlich über dem EZB-Ziel von 2 % verfestigt.

Aber der Kampf gegen die 20-Jahres-Tiefs des Euro würde schnellere Zinserhöhungen erfordern, was das Elend für eine Wirtschaft noch verstärken könnte, die bereits mit einer möglichen Rezession, drohenden Gasknappheit und himmelhohen Energiekosten konfrontiert ist, die die Kaufkraft verringern.

Die Bank hat das Thema bisher heruntergespielt und argumentiert, dass sie kein Wechselkursziel hat, selbst wenn die Währung eine Rolle spielt. Sogar die am Donnerstag veröffentlichten Berichte über das Grundsatztreffen im Juni ließen keine besondere Besorgnis erkennen. Aber die Marktbewegungen sind jetzt zu groß, um sie herunterzuspielen.

„Die Schwäche des Euro verstärkt die Vorstellung, dass die EZB hinter der Kurve steckt“, sagte Dirk Schumacher, Leiter des europäischen Makro-Research bei Natixis CIB. „Angesichts der hohen Inflation wäre ein stärkerer Euro durchaus hilfreich, weil er die Inflation senkt.“

Der Euro ist in diesem Jahr nun rund 10 % gegenüber dem Dollar gefallen, auch wenn die handelsgewichtete Währung bisher nur um 3,3 % gefallen ist.

Dies erhöht die Importkosten, insbesondere für Energie und andere auf Dollar lautende Rohstoffe, wodurch alles teurer wird. Von der EZB häufig zitierte Studien deuten darauf hin, dass eine Abwertung des Wechselkurses um 1 % die Inflation über ein Jahr um 0,1 % und über drei Jahre um bis zu 0,25 % erhöht.

MEHR SCHWÄCHE?

Das Problem ist, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten auf noch mehr Euro-Schwäche hindeuten.

Erstens bewegen sich die EZB und die US-Notenbank mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Während der Fed-Vorsitzende Jerome Powell deutlich gemacht hat, dass er bereit ist, eine Rezession mit überdimensionalen Zinserhöhungen zu riskieren, um die Inflation zu senken, unternimmt die EZB weiterhin kleine Schritte, um die außergewöhnlich lockere Politik des letzten Jahrzehnts, als die Inflation zu niedrig war, zurückzunehmen.

Sie wird die Zinsen in diesem Monat zum ersten Mal anheben, erwartet aber, den Einlagensatz erst im September aus dem negativen Bereich zu heben, da jede weitere Bewegung durch Rezessionsrisiken getrübt wird.

Die Aussichten für die Eurozone haben sich seit Mitte Juni so stark eingetrübt, dass eine Zinserhöhung ausgepreist wurde und die Märkte nun nur noch 135 Basispunkte Straffung durch die EZB erwarten.

Die Fed, die die Zinsen bereits mehrmals angehoben hat, unter anderem um 75 Basispunkte im vergangenen Monat, wird sie voraussichtlich um weitere 180 Basispunkte erhöhen.

Das verschafft den Anlegern auf der anderen Seite des Atlantiks höhere Gewinne, sodass sie Bargeld aus Europa abziehen und dabei den Euro schwächen.

Zweitens macht die enorme Energieabhängigkeit der Eurozone, hauptsächlich von russischem Gas, die Wirtschaft auch anfälliger für die Folgen des Krieges in der Ukraine, eine natürliche Belastung für die Währung.

„Angesichts des drohenden Rezessionsrisikos – und da der Euro eine prozyklische Währung ist – könnten der EZB die Hände gebunden sein, um mit aggressiveren Zinserhöhungen zur Verteidigung des Euro zu drohen“, sagte ING in einer Mitteilung an Kunden.

Schließlich hat die Energierechnung des Blocks die Importkosten in die Höhe getrieben und ihm ein seltenes Leistungsbilanzdefizit beschert. Solche Abflüsse schwächen die Währung im Laufe der Zeit auch.

Da jedes der 19 Länder der Eurozone unterschiedlich betroffen ist, dürfte es auch schwierig sein, einen Konsens über eine Zurückdrängung zu erzielen.

Um den Euro zu stützen, könnte die EZB eine aggressivere Straffung der Geldpolitik signalisieren, darunter eine Erhöhung um 50 Basispunkte im September und weitere Schritte im Oktober und Dezember.

Aber da die Märkte diese Schritte bereits erwarten, muss die EZB auch zumindest teilweise der Botschaft der Fed folgen, dass die Senkung der Inflation alle anderen Prioritäten übertrumpft, selbst wenn dies bedeutet, eine Rezession zu verstärken.

Eine solche Nachricht, selbst wenn sie positiv für den Euro wäre, würde wahrscheinlich einen Ausverkauf an der Peripherie des Währungsblocks anheizen und Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der Schulden auslösen.

Daher muss die EZB auch ihr bereits angedeutetes Anleihekaufprogramm einführen, das darauf abzielt, den Anstieg der Kreditkosten für Italien, Spanien, Portugal und Griechenland zu begrenzen.

Berichterstattung von Balazs Koranyi und Francesco Canepa; Redaktion von Hugh Lawson, Mark John und Bradley Perrett

Bild & Quelle: Reuters

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