Am Donnerstag wird Bundeskanzler Friedrich Merz die Konjunkturzahlen für das dritte Quartal vom Statistischen Bundesamt erwarten. Diese Zahlen gelten als erstes inoffizielles Zwischenzeugnis für seine Regierungszeit. Die deutsche Wirtschaft sieht sich momentan mit der schwersten Krise seit Jahren konfrontiert. Seit 2023 ist ein merklicher Rückgang bei der Warenproduktion zu verzeichnen, was zu einem signifikanten Rückgang der Wirtschaftsleistung führt. Aktuell stieg die Arbeitslosigkeit im August auf 3 Millionen, was einem zehnjährigen Hoch entspricht. Dies berichtet Bild.

Die alarmierende Situation ist auch im Staatskonsum zu erkennen. Eine Grafik des ifo Instituts zeigt, dass dieser seit 2015 um über 25% gestiegen ist, während private Investitionen auf dem Niveau von 2015 stagnieren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat seit 2018 nicht mehr zugenommen, abgesehen von einem kurzzeitigen Rückgang während der Corona-Pandemie. Ifo-Präsident Clemens Fuest äußert sich besorgt über den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands und warnt vor einem drohenden Rückgang des Lebensstandards für viele Bürger.

Dringender Reformbedarf

Fuest hat die Merz-Regierung aufgefordert, bis zum Frühjahr 2026 ein umfassendes Reform-Gesamtkonzept zu entwickeln, welches über den bestehenden Koalitionsvertrag hinausgeht. Konkrete Maßnahmen, die er vorschlägt, umfassen das Stoppen der Mütterrente und die Entlastung von Unternehmen von übermäßiger Bürokratie. Laut seiner Einschätzung könnte eine solche Entlastung jährlich bis zu 146 Milliarden Euro zusätzlichen Wohlstand generieren. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat diesen Aufruf unterstützt und betont, wie wichtig die Unterstützung des Mittelstands in dieser kritischen Phase ist.

Die Gesamtlage wird durch eine gespaltene Gesellschaft verstärkt: Während einige Bürger einen sinkenden Lebensstandard erfahren, gibt es andere, die von einem steigenden Lebensstandard profitieren. Fuest vergleicht die Risiken und Herausforderungen, mit denen Deutschland konfrontiert ist, mit den „italienischen Verhältnissen“ und warnt vor der Abwärtsspirale, die sich entwickeln könnte.

Aufschwung in Sicht?

Inmitten dieser besorgniserregenden Situation gibt es jedoch Anzeichen für eine mögliche Erholung. Führende Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen optimistisch angepasst und sehen möglicherweise Licht am Ende des Tunnels. Das ifo Institut beispielsweise hat die Schätzung für das BIP-Wachstum 2025 von 0,2 auf 0,3 Prozent und für 2026 von 0,8 auf 1,5 Prozent angehoben. Positive Frühindikatoren zeigen, dass die Industrie ihren Tiefpunkt erreicht hat und privater Konsum sowie Unternehmensinvestitionen Anzeichen einer Erholung zeigen. Diese Erkenntnisse stammen von Tagesschau.

Zusätzlich berichten die Institute, dass die durchschnittliche Inflationsrate für 2025 auf 2,1 Prozent und für 2026 auf 2,0 Prozent geschätzt wird. Für die Arbeitslosenquote wird eine mögliche Reduzierung auf 6,1 Prozent im Jahr 2026 prognostiziert. In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen bleibt abzuwarten, ob diese positiven Erwartungen Realität werden und ob die Regierung unter Merz die nötigen Reformen rechtzeitig umsetzen kann.