Der Versicherungsmarkt steht angesichts der fortschreitenden Entwicklung autonomer Fahrzeuge vor einem grundlegenden Wandel. Laut einem Artikel von Stephen Voss, Gründer und Vorstand der Neodigital Autoversicherung, wird die Kfz-Versicherung der Zukunft sich fundamentale von ihrem heutigen Modell unterscheiden. Der Paradigmenwechsel wird nicht nur von technologischen Fortschritten, sondern auch von sich verändernden Haftungsfragen geprägt.

Autonomes Fahren revolutioniert die Mobilitätswirtschaft mit kürzeren Innovationszyklen und softwaredefinierten Fahrzeugen. Die Akzentuierung verlagert sich vom Verhalten des Fahrers auf die Zuverlässigkeit des „Systems Mensch-Maschine“. Herkömmliche statische Risikomodelle haben ausgedient; stattdessen wird angestrebt, die Kfz-Versicherung in ein dynamisches Echtzeit-Produkt zu verwandeln, unter Verwendung von Over-the-Air-Updates und Telematik. Diese Aspekte werden als essenziell für die zukünftige Gestaltung von Versicherungslösungen angesehen.

Neue Versicherungsmodelle für autonome Fahrzeuge

Traditionelle Versicherungsprodukte sind für die speziellen Anforderungen autonomer Fahrzeuge nicht ausreichend. Deshalb entstehen autonome Fahrzeugversicherungen, die breitere Abdeckung für spezifische Risiken bieten. Mit zunehmender Autonomie verschiebt sich die Haftung bei Unfällen zunehmend vom Fahrer zu Fahrzeugherstellern oder Softwareanbietern. So teilen sich bei teilautonomen Fahrzeugen (Level 2-3) der Fahrer und das System die Haftung, während bei vollautonomen Fahrzeugen (Level 4-5) hauptsächlich der Hersteller oder Betreiber als Hauptversicherungsnehmer verantwortlich ist.

Auch die Risikobewertung hat sich verändert. Traditionelle Versicherungen legen Wert auf das Fahrerprofil und den Fahrzeugtyp, während autonome Fahrzeuge sich stärker auf die Systemzuverlässigkeit und Datensicherheit stützen müssen. Datensicherheit und Datenschutz sind hierbei entscheidende Aspekte, da autonome Fahrzeuge umfangreiche Datenanalysen und Cyberversicherungen erfordern.

Herausforderungen und Perspektiven

Die Einführung autonomer Fahrzeugversicherungen birgt zahlreiche Herausforderungen, vor allem im Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Allianz, eine der führenden Versicherungsgesellschaften, arbeitet aktiv an der Anpassung ihrer Versicherungslösungen für autonome Fahrzeuge. Die Kooperation mit OEMs (Original Equipment Manufacturers) zur Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte ist ein zentraler Bestandteil dieser Bemühungen. Zu den neuen Risiken zählen Reiseunterbrechungen und Notfälle an Bord.

Aktuell sind die meisten Fahrzeuge in der Kategorie Level 2 eingestuft, während einige Modelle bereits Level 3 erreicht haben. Der technologische Fortschritt könnte zwar die Unfallhäufigkeit um bis zu 90 % senken, jedoch könnte die für Schäden an Einzelpersonen oder Objekten anfallende Entschädigung teurer werden. Zudem bleibt die Halterhaftung auch bei autonomen Systemen von Bedeutung, gewährt sie doch Verkehrsopfern eine einfache Anspruchsgrundlage.

Nach derzeitigen Prognosen könnte das Marktvolumen für Kfz-Versicherungen bis 2030 um 25-40 % zurückgehen. Trotz der Herausforderungen sieht die Branche Chancen, durch angepasste Versicherungsprodukte, wie Cyber-Versicherung und Softwareaktualisierungsversicherung, neue Märkte zu erschließen. Angesichts der Komplexität der international unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen wird es zudem zunehmend wichtig, individuelle Versicherungslösungen zu entwickeln.

Zusammengefasst steht die Versicherungsbranche vor einer entscheidenden Wende, die nicht nur die Produkte betrifft, sondern auch die grundlegenden Prinzipien der Risikobewertung und Haftung. Die kontinuierliche technologische Evolution wird die Richtung vorgeben, und nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Versicherungsgesellschaften, Automobilherstellern und der Technologiebranche können zukunftsfähige Lösungen entwickelt werden.

Versicherungswirtschaft heute berichtet, dass … Sicherheitsanker erhebt … Versicherungsbote beleuchtet …