In Deutschland hat sich die Aktienkultur in den letzten Jahren bemerkenswert weiterentwickelt. Aktuell besitzt jeder sechste Deutsche (17,2%) Aktien, ETFs oder Fonds, was einen Anstieg von 12,1 Millionen deutschen Aktionären seit vor Corona reflektiert. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland jedoch hinter Ländern wie den USA (25%) und dem UK (23%) zurück, wie die FTD berichtet.
Die durchschnittliche Depotgröße hat sich signifikant erhöht. Ende 2024 betrug sie 34.900 Euro, gesteigert von nur 11.200 Euro im Jahr 2015 und 24.500 Euro im Jahr 2020. Während der typische deutsche Anleger rund 14.400 Euro in Einzelaktien und 15.900 Euro in Fonds investiert hat, beträgt die durchschnittliche Investition insgesamt 65.100 Euro in Aktien und 44.600 Euro in Fonds, wobei diese Zahlen durch Großanleger verzerrt werden.
Beliebtheit von ETFs und Sparverhalten
Besonders bemerkenswert ist das gestiegene Interesse an ETFs. Fast fünf Millionen Deutsche besparen inzwischen monatlich einen ETF, im Vergleich zu nur 300.000 im Jahr 2015. Die durchschnittliche Sparrate in diesen Sparplänen liegt zwischen 175 und 177 Euro pro Monat. Insgesamt flossen 2024 durch ETF-Sparpläne 9,3 Milliarden Euro in den Markt.
Über 20% des gesamten Vermögens der Deutschen, das summiert 9,3 Billionen Euro, sind in Aktien und Fonds angelegt. Der Anteil der direkten Aktienbesitzer beträgt 9,5%, während 13,6% in Investmentfonds investiert sind. Gleichzeitig liegt jedoch noch immer eine beträchtliche Summe von 3,4 Billionen Euro auf Girokonten und Sparbüchern, was darauf hindeutet, dass viele Deutsche Potenziale nutzen, die ungenutzt bleiben.
Demografische Unterschiede und Aktienbesitz
Demografische Unterschiede zeigen sich auf vielfältige Weise. Die größte Anlegergruppe hat ein Nettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Zudem besitzen 35% der 14- bis 39-Jährigen einen ETF-Sparplan; bei den über 40-Jährigen sind es nur 17%. Die regionalen Unterschiede sind ebenfalls signifikant – während in Westdeutschland 19,2% in Aktien investieren, sind es in Ostdeutschland nur 10,8%. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Bildung: Die Aktionärsquote unter Abiturienten liegt bei 25,9%, während sie bei Personen mit Hauptschulabschluss lediglich 6,5% beträgt.
Die beliebtesten ETFs auf dem deutschen Markt sind der iShares Core MSCI World mit einem Volumen von 103 Milliarden Euro, gefolgt vom iShares Core S&P 500 (84 Milliarden Euro) und dem Vanguard FTSE All-World (45 Milliarden Euro). In Bezug auf Einzelaktien stehen Unternehmen wie Amazon, Apple, Microsoft, Alphabet, Tesla und Nvidia ganz oben auf der Beliebtheitsliste. Rüstungsaktien wie Rheinmetall haben aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage ebenfalls stark an Interesse gewonnen, was eine Performance von 241% zeigt.
Aussichten und Herausforderungen
Die positive Entwicklung der Aktienmärkte im Jahr 2023, insbesondere der DAX, der um rund 19% zulegte, trug zur Beschleunigung des Geldvermögens bei, während der Wertzuwachs des Geldvermögens der privaten Haushalte 200 Milliarden Euro betrug. Dennoch bleibt die hohe Sparquote der Haushalte eine Herausforderung für die konjunkturelle Erholung, da viel Geld auf Girokonten verbleibt. Es wird erwartet, dass 2025 die Aktienkursgewinne schwächer ausfallen, die Kursniveaus jedoch tendenziell steigen werden. Trotz der Verunsicherung könnten Haushalte öfters in den Aktienmarkt investieren.
Insgesamt zeichnet sich ein Bild ab, in dem Deutsche langsam aber stetig die Vorzüge des Aktienmarktes erkennen, jedoch nach wie vor viele Chancen ungenutzt lassen. 83% der Befragten verpassen Gelegenheiten zur Investition. Die Entwicklung der Aktienkultur in Deutschland zeigt eine positive Tendenz, bleibt aber hinter den Möglichkeiten zurück, die eine breitere Anlagebereitschaft eröffnen könnte.
Für detaillierte Informationen zur Aktienkultur in Deutschland bietet Statista einen umfassenden Blick auf die Besitzverhältnisse und Interessen, und auch DZ Bank erläutert die Entwicklungen der Geldvermögen in Deutschland eingehend.