Die Produktivität ist in der deutschen Arbeitswelt ein zunehmend heiß diskutiertes Thema. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hebt in ihrem Arbeitsprogramm die zentrale Bedeutung der Produktivität hervor, die als „Goldstandard“ der Arbeitswelt gilt. Steigende Produktivität kann zu höheren Gewinnen, Löhnen und Steuereinnahmen führen, was die Relevanz der aktuellen Debatte unterstreicht. Doch in Deutschland stagniert die Produktivität seit der Corona-Pandemie und liegt derzeit unter dem Niveau von 2021, was Bedenken aufwirft, dass das Land im internationalen Vergleich den Anschluss verlieren könnte, insbesondere gegenüber den USA und China, wo der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Innovationen deutlich vorangetrieben wird. Laut Tagesschau hat Deutschland in den vergangenen fünf Jahren in diesem Bereich an Boden verloren.

Die politischen Lösungsansätze sind vielfältig. CSU-Chef Markus Söder fordert eine Erhöhung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche, während Kanzler Friedrich Merz (CDU) weniger Krankentage fordert und die Work-Life-Balance kritisiert. Marc Biadacz, der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion, spricht sich für Reformen des Arbeitsrechts und weniger staatliche Vorgaben aus. Gleichzeitig drängt er für Investitionen des Staates in Bildung zur Produktivitätssteigerung.

Die Rolle von Künstlicher Intelligenz

Ein entscheidender Faktor für die zukünftige Produktivität wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sein. Prognosen zeigen, dass KI der Schlüssel zu einem vierfachen Produktivitätswachstum sein könnte, verbunden mit einer Lohnsteigerung von 56 % für Arbeitnehmer:innen mit KI-Kompetenzen bis 2024, was eine beeindruckende Verdopplung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Diese Erkenntnisse stammen von PwC, die den Einfluss des KI-Einsatzes auf Arbeitsplätze und Qualifikationen weltweit analysierten und dabei feststellten, dass Anforderungsprofile in KI-intensiven Berufen bis zu 66 % schneller an Dynamik gewinnen als in anderen Sektoren. Über PwC werden diese Entwicklungen deutlich.

Doch nicht nur die Produktivität, sondern auch die Gehälter und Beschäftigungsmöglichkeiten verändern sich durch den Einsatz von KI. Für viele Arbeitnehmer:innen ist es entscheidend, KI-Kompetenzen zu entwickeln, um die Vorteile dieser Transformation nutzen zu können. Gleichzeitig sind viele Unternehmen durch Unsicherheiten im Bereich KI verunsichert, was zu unbesetzten Stellen im KI-Sektor führt. 2019 blieben 43 % der Stellen mit KI-Bezug vakant.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt sind komplex. Fortschritte in der Technologie führen zu einem tiefgreifenden Wandel in Berufsbildern, Tätigkeiten und Arbeitsformen. Diese Veränderungen sind vor allem Resultate von Automatisierung und Vernetzung, wie bpb erläutert. Dies wirft Befürchtungen bezüglich Arbeitsplatzverlusten ebenso auf wie Hoffnungen auf neue Tätigkeitsfelder. Während KI einige Berufe ersetzen könnte, besteht gleichzeitig das Potenzial, innovative Kooperationsformen zu schaffen.

Die Herausforderung für die Politik wird darin bestehen, die Chancen der Digitalisierung und Automatisierung verantwortungsvoll zu nutzen, um die Herausforderungen des Wandels zu meistern. Eine breite Einführung von KI könnte den Fachkräftemangel verringern, birgt aber auch Risiken wie eine erhöhte Arbeitsbelastung und die Notwendigkeit einer Regulierung, um Chancen zu maximieren und Risiken zu minimieren.

Insgesamt sind schnelle Reformen und effektive politische Maßnahmen erforderlich, um Deutschlands Produktivität und Wirtschaftswachstum zu fördern, um nicht im internationalen Wettbewerb abzuhängen.