In einem aktuellen Interview mit dem Versicherungsmonitor spricht Christian Bonn, Underwriting Manager für Financial Lines bei Axa XL, über die sich verändernde Landschaft der D&O-Versicherung. Bonn erwartet, dass die Preissenkungen in diesem Segment langsam zu Ende gehen. Dies ist eine einschneidende Entwicklung, die durch verschiedene Faktoren bedingt ist, darunter Großschäden und zunehmende Regulierung.

Bonn betont, dass Großschäden allein nicht ausreichen, um den Markt entscheidend zu beeinflussen. Stattdessen spielen die regulatorischen Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Insbesondere ein jüngstes Urteil zu Anfechtungsverzichten hat spürbare Auswirkungen auf die D&O-Versicherung, was die Notwendigkeit verstärkt, sich auf kommende Herausforderungen vorzubereiten.

Wachsende Herausforderungen für die D&O-Versicherung

Die Managerhaftpflichtversicherung, auch bekannt als D&O-Versicherung, sieht sich derzeit einer Vielzahl von Belastungen gegenüber. Laut WTW steigen die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland und Europa auf das höchste Niveau seit über zehn Jahren. Diese Entwicklung ist eng verknüpft mit den steigenden Zinsen, hohen Energie- und Lohnkosten sowie geopolitischen Unsicherheiten.

Ein besorgniserregendes Beispiel ist der VW-Dieselskandal, der immer noch die Diskussion um Managerhaftung dominiert. Ein kürzlich vom Bundesgerichtshof erklärter 270-Millionen-Euro-Vergleich zwischen VW und D&O-Versicherern wurde für nichtig erklärt, was potenziell teurere neue Vergleiche nach sich ziehen könnte. Ähnliche Risiken bestehen auch für die Telekom, gegen die eine US-Sammelklage droht, die die D&O-Versicherer bis zu 300 Millionen Euro kosten könnte.

Komplexität und Unsicherheiten im D&O-Markt

Die Schäden im Bereich der D&O-Versicherung bewegen sich oft im zweistelligen bis dreistelligen Millionenbereich. Die Haftungsrisiken sind dabei international verflochten, juristisch äußerst komplex und nur schwer kalkulierbar. Es wird zunehmend schwieriger, schnelle Vergleiche zu erzielen, was auf die wachsende Komplexität der Fälle hinweist, die sich zu langwierigen Justizverfahren entwickeln.

Philipp Rouget von Willis (WTW) warnt, dass diese Herausforderungen in ein bis zwei Jahren zu einer harten Marktphase führen könnten. Die aktuellen Trends deuten darauf hin, dass die Managerhaftpflichtversicherer mit höheren Schadenquoten und steigenden Rückstellungen rechnen müssen. Dies könnte in Kombination mit einem verschärften Wettbewerb um Rückversicherungskapazitäten zu signifikanten Prämienerhöhungen und strengeren Annahmerichtlinien führen, während Rückversicherer deutsche D&O-Portfolios kritischer bewerten.

Somit steht der D&O-Markt vor einer entscheidenden Wende. Die Entwicklungen innerhalb des Marktes könnten nicht nur die Versicherer selbst, sondern auch die damit verbundenen Unternehmen und deren Manager nachhaltig beeinflussen. Den Akteuren in diesem Sektor bleibt nun nur noch die Möglichkeit, sich auf die bevorstehenden Herausforderungen optimal vorzubereiten.