Die elektronische Patientenakte (ePA) hat in Deutschland ein enormes Potenzial, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass der tatsächliche Nutzen in der breiten Bevölkerung bisher kaum wahrgenommen wird. Daher bleibt die Entwicklung der ePA ein zentrales Thema im Gesundheitswesen.
Eine Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands ergab, dass 94 Prozent der gesetzlich Versicherten die ePA kennen. Trotz dieses hohen Bekanntheitsgrades verwalten 71 Prozent der Befragten ihre Akte jedoch nicht aktiv. Besonders kritisiert werden die fehlenden Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse, die vielen Verbraucher:innen als Hürden erscheinen. Laut der Umfrage sehen 33 Prozent der Teilnehmer keinen persönlichen Nutzen in der ePA; 13 Prozent äußern Datenschutzbedenken.
Kritik und Forderungen der Verbraucher
Die Verbraucherzentrale fordert eine zügige Weiterentwicklung der ePA, die stärker auf die Bedürfnisse der Patient:innen eingehen sollte. 75 Prozent der Befragten haben sich noch nicht aktiv mit der ePA auseinandergesetzt. Unklarheiten über die Zugriffsrechte auf die gespeicherten Daten werden ebenfalls bemängelt. 68 Prozent der Befragten wünschen sich genauere Steuerungsmöglichkeiten für den Datenzugriff, während 66 Prozent digitale Untersuchungshefte und 64 Prozent Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten und fehlende Impfungen fordern.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Umfrage zeigt, dass nur 25 Prozent der Befragten wissen, dass Daten aus der ePA in Zukunft für Forschungszwecke verwendet werden können. Gesundheitsdaten in der ePA haben jedoch Potenzial, um nicht nur der individuellen, sondern auch der öffentlichen Gesundheitsversorgung zu dienen. Diese Daten werden pseudonymisiert, das bedeutet, dass sie ohne persönliche Angaben wie Namen und Adressen verwendet werden können. Versicherte haben die Möglichkeit, der Bereitstellung ihrer Gesundheitsdaten zu widersprechen, entweder über die ePA-App oder die Ombudsstelle ihrer Krankenkasse.
Datenschutz und digitale Identität
Der Datenschutz spielt eine zentrale Rolle bei der Nutzung der elektronischen Patientenakte. Um die digitale Identität der Versicherten zu schützen, müssen sich alle Beteiligten zur Nutzung der Telematikinfrastruktur authentifizieren. Dies geschieht durch die elektronische Gesundheitskarte, eine PIN oder Gesundheits-ID, alternativ auch durch Fingerabdruck. Die Kombination aus gespeicherten Schlüsseln und zertifizierten Identitäten gewährleistet, dass nur berechtigte Personen Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten erhalten.
Im Gegensatz zu den Krankenkassen, die keine Leserechte auf die in der ePA gespeicherten medizinischen Daten haben, können sie alte Befunde auf Wunsch des Patienten digitalisieren und in die ePA einstellen. Dieser Aspekt der digitalen Datenverwaltung wird in der Umfrage jedoch als kompliziert empfunden. Insgesamt zeigt die aktuelle Situation der ePA, dass trotz des großen Potenzials noch erheblicher Nachholbedarf besteht, um das Vertrauen der Versicherten in diese digitale Lösung zu stärken.