Der ETF-Markt zeigt sich heute, am 16. Februar 2026, als ein zunehmend reifes Segment der Finanzwelt. Lisa Backes, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Hauck & Aufhäuser Fund Services, hebt hervor, dass der Markt bei liquiden Aktien- und Rentenindizes als erwachsen anzusehen ist. Diese Reife manifestiert sich in standardisierten Abläufen, eingespielten Marktrollen und einem stabilen regulatorischen Rahmen, was die Grundlage für eine neue Phase der Industrialisierung bildet. Diese Phase wird durch eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren und eine klarere funktionale Differenzierung der Produkte gekennzeichnet.
Institutionelle Investoren setzen zunehmend ETFs strategisch ein, etwa für taktische Allokationen und Liquiditätsmanagement. Dies hat zur Folge, dass der Fokus sich von der Produktverfügbarkeit hin zu einer optimierten ETF-Infrastruktur verschoben hat. Der Markt entwickelt sich zu einem system- und infrastrukturbasierten Ökosystem, das anspruchsvollere Governance-, Reporting- sowie Risiko- und Liquiditätsmanagement-Anforderungen stellt. Dienstleistungen und Plattform-Modelle sind dabei zentrale Wachstumstreiber, die auch eine effektive Integration in professionelle Investmentprozesse ermöglichen.
Wachstum und Herausforderungen
Der deutsche Fondsverband BVI berichtet, dass ETFs mittlerweile etwa 25% des gesamten Publikumsfondsvermögens in Deutschland ausmachen. Zwischen 2023 und 2025 flossen fast 90% aller Neugelder im Publikumsfondsbereich in ETFs, während traditionelle Fonds zunehmend unter Druck geraten. Anleger ziehen Gelder aus klassischen Aktien-, Misch- und Immobilienfonds ab. Beispielsweise hat die Postbeamtenkrankenkasse ihren Aktienanteil von fast ausschließlich aktiv auf fast vollständig passiv umgestellt.
Die Herausforderungen für aktive Manager wachsen, insbesondere in hochliquiden Märkten, wo sie sich gegen die Effizienz von ETFs behaupten müssen. Aktive ETFs dringen in jene Bereiche ein, die zuvor von traditionellen Fonds dominiert wurden. Aktuelle Analysen zeigen eine Ein-Jahres-Erfolgsquote von 13,2% für „Aktien Welt“ und 12,1% für „Aktien Euroland“, was die Schwierigkeit für aktive Fonds verdeutlicht, im Wettbewerb mithalten zu können.
Regulatorische Stabilität und Zukunftsaussichten
Für die Glaubwürdigkeit neuer ETF-Angebote ist eine robuste Infrastruktur entscheidend. Standortübergreifende Setups sind wichtig, um regulatorische Stabilität und operative Nähe zu Märkten zu gewährleisten. Anders als bei traditionellen Fonds ist die Gebührenverhandlung bei ETFs unüblich, was zusätzliche Vorteile bietet. Trotzdem sieht der Markt bereits jetzt eine Konsolidierung kommen. Anbieter müssen regulatorische und operative Verlässlichkeit sicherstellen, um relevant zu bleiben.
Darüber hinaus eröffnet die zunehmende Nachfrage nach passiven Strategien, vor allem für große Indizes wie den S&P 500, institutionellen Anlegern neue Möglichkeiten zur effizienten Allokation und passgenauen Absicherung ihrer Investments. Bei der Betrachtung der ETF-Kategorie insgesamt ist anzumerken, dass aktive ETFs in Europa derzeit nur 2,8% des Gesamtvolumens ausmachen, jedoch wachsen die Erwartungen nach einer weiter steigenden Akzeptanz und Nachfrage an.
Zusammengefasst zeigt sich der deutsche ETF-Markt als ein dynamisches Feld, das von einer strukturellen Neuausrichtung geprägt ist. Während der kurzfristige Wachstumstrend weiter anhält, ist es wichtig zu beachten, wie sich das Zusammenspiel zwischen aktiven und passiven Anlagen künftig entwickeln wird. Quellen wie Private Banking Magazin und Portfolio Institutionell bieten dabei wertvolle Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des Marktes.