Die Welt der Exchange-Traded Funds (ETFs) ist im Wandel. Der Trend zu White-Label-ETFs, die von einer Firma erstellt, aber von einer anderen Marke gekennzeichnet und vermarktet werden, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Diese ETFs ermöglichen es Anbietern, maßgeschneiderte Produkte zu erstellen, ohne eine eigene Infrastruktur für ETFs aufbauen zu müssen. Laut Informationen von ExtraETF bieten Broker wie Finanzen.net Zero, Scalable und Comdirect unterschiedliche ETFs an, die auf verschiedene Anlegertypen zugeschnitten sind.
Finanzen.net Zero hat kürzlich einen MSCI World ETF (WKN: ETF300) eingeführt, der sich auf Industrienationen konzentriert. Mit über 20 Millionen Euro an verwaltetem Vermögen und einer Gesamtkostenquote von lediglich 0,12 % pro Jahr bietet dieser ETF eine physische Replikation und hat keine irische Kennung, was zu Diskussionen über die US-Quellensteuer führte. Dennoch wird die Steuer gleich behandelt wie bei irischen Fonds.
Vielfalt der ETF-Angebote
Im Gegensatz dazu bietet der Scalable Broker den MSCI AC World ETF (WKN: DBX1SC) an, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer abdeckt. Mit einem Volumen von 440 Millionen Euro verwendet dieser ETF eine teilweise synthetische Replikation und hat eine Gesamtkostenquote von 0,17 %. Die Comdirect präsentiert den S&P All World State Street UCITS ETF (WKN: A41WW6), der sich durch eine gleichgewichtete Gewichtung der größten 25 % der Unternehmen auszeichnet. Diese Kombination bietet Anlegern eine breite Diversifikation zu laufenden Kosten von 0,40 % und einem Volumen von 26 Millionen Euro.
Alle drei Produkte sind White-Label-ETFs, was bedeutet, dass sie von bekannten ETF-Anbietern erstellt wurden. Eine der Treiber hinter diesem Konzept ist das Bestreben der Broker, Kontrolle über die Wertschöpfung und Kundenbindung zu erlangen, insbesondere vor dem Hintergrund des Verbots von Payment for Order Flow, das im Juli 2026 in Kraft treten soll.
Marktentwicklungen und Prognosen
Die Bedeutung von ETFs wächst stetig. Laut Prognosen wird das globale ETF-Vermögen bis 2030 auf über 25 Billionen USD anwachsen. Der Markt für White-Label-ETFs wird voraussichtlich von 75 Milliarden USD im Jahr 2025 auf 170 Milliarden USD im Jahr 2030 wachsen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 12,5 %. Dies steht im Einklang mit der steigenden Nachfrage nach maßgeschneiderten und einzigartigen Anlageprodukten von Vermögensverwaltern, insbesondere von kleineren Firmen und Fintechs.
White-Label-ETFs bieten den Vorteil einer schnelleren Markteinführung und einer kosteneffizienten Lösung für neue Fondsanbieter. Diese Produkte übernehmen Back-Office-Funktionen wie regulatorische Compliance und Fondsverwaltung, sodass sich Emittenten auf ihre Anlagestrategie und das Branding konzentrieren können. Der Launch eines solchen ETFs kann in nur drei bis fünf Monaten erfolgen, während eigenständige ETFs eine längere Vorlaufzeit sowie höhere Investitionen erfordern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wachsende Vielfalt an ETF-Angeboten und das Aufkommen von White-Label-ETFs eine Reaktion auf den steigenden Wettbewerb und die Nachfrage nach Kostentransparenz sowie Handelsbequemlichkeit ist. Diese Entwicklung könnte die Landschaft der Anlageprodukte erheblich verändern und insbesondere kleineren Anbietern den Einstieg in den Markt erleichtern.