Auf der Küchen- und Badmesse KBIS 2026, die am 28. Februar 2026 eröffnet wurde, werden signifikante strukturelle Verschiebungen im Markt deutlich. Bill Darcy, der Global President & CEO der NKBA, wies in seiner Eröffnungsrede auf die Herausforderungen hin, die durch Zölle, geopolitische Unsicherheiten und volatile Lieferketten entstehen. Dieses Umfeld zwingt Unternehmen dazu, Projekte vorsichtiger zu kalkulieren und Investitionen differenzierter zu bewerten. Für den US-Markt wird für das Jahr 2026 ein Branchenumsatz von rund 228 Milliarden US-Dollar prognostiziert, wobei der Premium- und Luxusmarkt stabil bleibt und als zuverlässige Einnahmequelle wahrgenommen wird.

Die KBIS entwickelt sich zunehmend zu einer kuratierten Plattform, die sich auf Inhalte, Netzwerke und die Inszenierung von Marken konzentriert. Sichtbarkeit wird hierbei durch physische Präsenz, Medienreichweite und strategische Vernetzung gewonnen. Neue Trends zeigen, dass der Premiumbegriff sich hin zu Verlässlichkeit, Systemkompetenz und Alltagstauglichkeit wandelt. Die Bereiche Küche und Bad werden nicht nur als Designobjekte betrachtet, sondern auch als funktionale Infrastruktur mit erhöhten Anforderungen an Energieeffizienz und digitale Integration.

Europäische Präsenz und Marktchancen

Im Rahmen dieser Messe ist der German Pavilion ein wichtiger Bestandteil, in dem Unternehmen wie Hettich, Kesseböhmer und Vauth-Sagel die europäische Präsenz repräsentieren. Elmar Stumpf von Conneum hebt hervor, dass der deutsche Pavillon sehr erfolgreich ist und großes Besucherinteresse erzielt. Trotz dieser Präsenz bleibt der Marktanteil deutscher Hersteller in den USA jedoch gering, mit einem Importvolumen von etwa 65 Millionen US-Dollar, was sie hinter Italien und Vietnam zurückfallen lässt.

Matthias Bertl von Hettich USA betont die Relevanz der KBIS für die Markenpositionierung und die Geschäftsanbahnung im US-Markt. Es wird deutlich, dass der US-Markt stark markengetrieben, innovationsdynamisch und regional differenziert ist. Um im internationalen Geschäft erfolgreich zu sein, sind lokale Partnerschaften und eine kontinuierliche Präsenz unerlässlich.

Gesellschaftliche Trends und designkulturelle Ansätze

Gesellschaftliche Entwicklungen, wie „the return of simplicity“ und ein wachsendes Bewusstsein für Wellness und intelligente Technologie, begünstigen europäische Hersteller. Die europäische Designkultur spiegelt sich in reduzierter Gestaltung, langlebigen Konstruktionen und nachhaltigen Materialstrategien wider. Diese Aspekte sind besonders relevant für die Zukunft des Marktes, wo Fortschritte hin zu mehr Nachhaltigkeit und innovativen Lösungen an Bedeutung gewinnen.

Die Messe zeigt nicht nur aktuelle Trends, sondern offenbart auch tiefere Marktmechanismen. Deutsche Hersteller haben das Potenzial, im US-Markt Fuß zu fassen, wenn sie ihre Internationalisierung strategisch und langfristig angehen. Eine umfassende Analyse der KBIS 2026 wird in der nächsten Ausgabe von möbel kultur veröffentlicht.

In einem breiteren Kontext wird der Event- und Ausstellungsmarkt als wichtiges Wachstumsfeld identifiziert. Laut Mordor Intelligence wurde der Marktwert im Jahr 2022 auf 44,02 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2029 auf 52,68 Milliarden US-Dollar anwachsen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 2,88%. Europe zählt als der größte Markt, während Asien-Pazifik den schnellsten Anstieg zeigt.

Um den Herausforderungen, die durch verschiedene Faktoren wie COVID-19 und geopolitische Spannungen entstanden sind, zu begegnen, sind technologische Innovationen, inklusive Online-Events, von großer Bedeutung. Diese werden als Treiber für das Marktwachstum identifiziert und zeigen die sich wandelnden Bedürfnisse der Veranstaltungsteilnehmer auf.