Am 24. Oktober 2025 hielt Dr. Hanno Heil einen aufschlussreichen Vortrag über die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell. Dieser Anlass fand auf Einladung der Klima-Werkstatt in Andernach statt. Heil stellte in seinem Vortrag die zentrale These auf, dass Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen das Gemeinwohl in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen sollten, anstelle der herkömmlichen Gewinnmaximierung. In einer Zeit, in der viele Bürger sich von dem bestehenden Gesellschaftssystem abwenden, ist diese Umorientierung dringend erforderlich, um eine lebenswerte Zukunft für die kommenden Generationen zu sichern.

Heil betonte, dass das gegenwärtige Wirtschaftssystem nicht nur Unbehagen verursacht, sondern auch natürliche Ressourcen stark belastet. Er verwies auf die grundlegenden Forderungen des Grundgesetzes und der Landesverfassung, die eine Orientierung am Gemeinwohl postulieren. „Wir müssen unser wirtschaftliches Handeln neu denken“, sagte Heil und hob dabei die Wichtigkeit von Menschenwürde, Solidarität, Transparenz, Mitbestimmung der Mitarbeitenden und ökologischer Nachhaltigkeit hervor.

Beispiele aus der Praxis

Um die Theorie zu untermauern, nannte Heil verschiedene Unternehmen, die erfolgreich nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie wirtschaften. Ein besonderes Beispiel für die Umsetzung dieser Prinzipien in der Praxis ist das Modell der essbaren Stadt in Andernach. Dieses Konzept erreicht verschiedene Bevölkerungsgruppen und stärken das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Gemeinwohl.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist nicht nur eine Nischenbewegung; sie hat sich seit ihrer Entwicklung durch Christian Felber im Jahr 2010 weltweit verbreitet. Der Begriff „Gemeinwohl“ geht auf die griechische Antike zurück und beschreibt die gemeinsamen Interessen einer Gesellschaft. Im deutschen Grundgesetz, insbesondere in Artikel 14, wird das Gemeinwohl als Ziel staatlichen Handelns verankert und das Bundesverfassungsgericht sieht es als zentrale Grundlage für die Aufgabe des Staates an.

Herausforderungen und Lösungen

Die GWÖ bietet Antworten auf drängende Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit, die vielfach als Folgen einer kapitalistischen Ausbeutung der Ressourcen identifiziert werden. Die Initiative verfolgt das Ziel, eine ethische Wirtschaftskultur zu fördern, die auf Werten wie Menschenwürde, ökologischer Verantwortung, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit, demokratischer Mitbestimmung und Transparenz basiert, wie germany.econgood.org darstellt.

Um diese Werte in die Praxis umzusetzen, wird die Gemeinwohl-Bilanz verwendet. Dieses Instrument bewertet Unternehmen und Kommunen anhand von Kriterien wie Menschenwürde und ökologische Verantwortung. Positive Aspekte, wie Umweltschutz, werden mit Punkten belohnt, während negative Auswirkungen, wie Umweltbelastungen, Abzüge zur Folge haben.

Die Zukunft der Gemeinwohlökonomie

Seit 2010 hat sich eine weltweite Bewegung mit über 11.000 Mitgliedern in 35 Ländern gebildet, darunter mehr als 1.000 Unternehmen und mehrere Dutzend Kommunen. In Deutschland wurden bereits acht Gemeinden, darunter Kirchanschöring und Städte im Kreis Höxter, als Gemeinwohl-Gemeinden zertifiziert. Diese Gemeinden engagieren sich vielfältig für das Gemeinwohl, beispielsweise durch den Einsatz von Bürgerbussen oder Investitionen in Grünflächen.

Trotz des Potenzials der Gemeinwohlökonomie kritisieren einige Stimmen, unter anderem von der Wirtschaftskammer Österreich, dass die Kriterien auf das gesamte Wirtschaftssystem angewandt werden müssten. Kritiker warnen zudem vor einer möglichen Einschränkung von Eigentumsrechten und unternehmerischer Freiheit sowie vor dem zusätzlichen bürokratischen Aufwand, der durch die Umsetzung der GWÖ entstehen könnte. Dennoch bleibt die Gemeinwohlökonomie ein vielversprechendes Modell, das den wirtschaftlichen Erfolg mit einem Beitrag zum Gemeinwohl verknüpft und somit Chancen für ein demokratisches und soziales Miteinander schafft.