Der Markt für grünen Wasserstoff befindet sich in einem dynamischen Wandel, der durch eine zunehmende praktische Umsetzung geprägt ist. Luc Graré, Leiter Mittel- und Osteuropa bei Lhyfe, hebt hervor, dass das Unternehmen mittlerweile etwa die Hälfte seiner Wasserstoffmengen an Tankstellenbetreiber vertreibt und stetiges Wachstum verzeichnet. Diese Entwicklung wird insbesondere durch den Bedarf im öffentlichen Nahverkehr, bei Nutzfahrzeugen, Lkw und spezialisierten Flotten wie Müllsammelfahrzeugen vorangetrieben. Lhyfe betreibt zudem eine der modernsten Wasserstoff-Transportflotten Europas, die über 70 Hochdruckbehälter mit einem Druck von 380 bar umfasst.
Um die wirtschaftliche Effizienz weiter zu optimieren, plant Lhyfe, zentrale Produktionsstätten mit einer Kapazität von rund zehn MW in den kommenden Jahren aufzubauen. Zwei Elektrolyseure in Containerbauweise, jeder mit einer Leistung von 5 MW, werden in der Lage sein, täglich bis zu vier Tonnen Wasserstoff zu produzieren. So wird auch die Anlage in Schwäbisch Gmünd täglich bis zu vier Tonnen grünen Wasserstoff liefern können. Es wird erwartet, dass der Aufbau einer Wasserstoffindustrie mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird.
Marktentwicklung und Klimapolitik
Der steigende CO₂-Preissatz wird fossile Brennstoffe teurer machen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit von grünem Wasserstoff erhöhen. Besondere Unterstützung erfährt die Branche durch die Einführung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote), die die Kosten für grünen Wasserstoff an der Tankstelle senken soll. Ab 2026 wird laut GreenTrax eine verpflichtende RFNBO-Quote (Renewable Fuel of Non-Biological Origin) im Rahmen der THG-Quote eingeführt, die jährlich ansteigt. Diese Regelung führt zu einer höheren Nachfrage nach zertifiziertem Wasserstoff und wird die Attraktivität der Quotenpreise steigern.
Die THG-Quote ist ein zentrales Element der deutschen Klimapolitik zur Reduzierung der CO₂-Emissionen im Verkehrssektor. Bisher lag der Fokus auf Biokraftstoffen und Elektromobilität, doch durch die Novelle der 37. BImSchV sowie die Umsetzung der EU-Richtlinie RED III wird erneuerbarer Wasserstoff nun in den Mittelpunkt gerückt. Diese Richtlinie definiert strenge Nachhaltigkeitskriterien für die Zertifizierung von Wasserstoff.
Zertifizierung und Vorteile von RFNBO
Lhyfe wird als der größte RFNBO-zertifizierte Wasserstoffproduzent durch Wasserelektrolyse in Europa angesehen. Diese Zertifizierung bietet dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile, insbesondere bei Ausschreibungen und Förderungen. Die strengen EU-Vorgaben werden als Chance wahrgenommen, sich von grauem Wasserstoff abzugrenzen. Der Zertifizierungsprozess für die Anlage in Schwäbisch Gmünd nahm beispielsweise acht Monate in Anspruch.
Mit den ersten RFNBO-Zertifizierungen, die am 11. September 2025 ausgestellt wurden, markiert Deutschland einen bedeutenden Meilenstein in der Energiewende. Die ersten Produktionsstandorte wurden erfolgreich auditiert und ermöglichen die Nutzung von elektrolytisch erzeugtem Wasserstoff zur Erfüllung der Treibhausgasminderungsziele. Diese innovative Form der Energie könnte ab 2026 nicht nur im Verkehrssektor, sondern auch im Flugverkehr eine Rolle spielen.
Durch den Verkauf von THG-Quoten, die aus dem Verkauf von erneuerbarem Wasserstoff generiert werden, haben Unternehmen die Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Die digitale Plattform von GreenTrax, die den Austausch von Daten mit Behörden ermöglicht, unterstützt diesen neuen Markt und die dazugehörigen Zertifizierungsprozesse.
Insgesamt steht der Wasserstoffmarkt vor einem starken Marktwachstum. Prognosen ziehen insbesondere große Lkw-Flotten im Zeitraum 2027 bis 2028 an, die den Einsatz von grünem Wasserstoff exponentiell steigern könnten. Die Einführung der RFNBO-Quote ab 2026 wird zudem als entscheidender Schritt zur Förderung einer nachhaltigen und CO₂-neutralen Energiezukunft angesehen.
Wie die dena in einer Analyse feststellt, sind Wasserstoff und seine Derivate wie Ammoniak oder Methanol entscheidend für die Schaffung eines klimaneutralen Industriestandorts. Deshalb ist die Zertifizierung unerlässlich, um sicherzustellen, dass Wasserstoff aus erneuerbaren oder kohlenstoffarmen Quellen stammt und alle Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt.