Im Rahmen einer Grundsatzdebatte im Landtag am 25. Februar 2026 hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die zentrale Rolle von Bildung für die Zukunft Schleswig-Holsteins hervorgehoben. Günther betonte, dass Kinder stark und fit für den Lebensweg sowie den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. Um dies zu erreichen, plant die Landesregierung umfassende Maßnahmen, die unter anderem einen verlässlichen Ganztag, eine stabile Unterrichtsversorgung und berufliche Bildung zur Sicherung von Fachkräften umfassen.
Zu den bereits umgesetzten Plänen gehört ein neues Kita-Gesetz, das eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung ins Auge fasst. Die Landesregierung kündigte an, Mittelkürzungen für Kitas sowie die Streichung von Stellen in Schulen rückgängig zu machen und investiert 20 Millionen Euro in die Unterrichtsversorgung an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien.
Investitionen in die Bildungsinfrastruktur
Geplant sind die Schaffung von 254 Lehrerstellen, was jährliche Kosten von etwa 12 bis 13 Millionen Euro mit sich bringen wird. Davon sind 200 Lehrer für die Sekundarstufe I und 54 für die Oberstufe vorgesehen. Zudem soll ein Azubiwerk installiert werden, um Wohnraum zu schaffen und Azubis finanziell zu unterstützen. Weiterhin plant die Landesregierung eine Erhöhung der Betreuungsquote in Kitas von 92% auf 95% sowie eine Steigerung der Anzahl der Perspektiv-Kitas von 50 auf 175.
Landesweit werden jährlich 8 Millionen Euro für Neubauten und Kernsanierungen bereitgestellt, um das Kita-System qualitativ weiterzuentwickeln. Daneben wird ab August eine Ganztagsförderung als verbindlichen Auftrag zur Umsetzung hervorgehoben.
Kritik und Unterstützung
Die angekündigten Maßnahmen stießen auf gemischte Reaktionen. Martin Habersaat von der SPD kritisierte die Ansätze von Günther als „Verwaltung des Status quo“. In ähnlicher Weise forderte Christopher Vogt von der FDP eine „echte Bildungswende“ und mehr Unterstützung für Grundschulen. Christian Dirschauer vom SSW hingegen forderte bessere Rahmenbedingungen für Kinder mit besonderen Förderbedarfen. Unterstützend äußerten sich Tobias Koch (CDU) und Lasse Petersdotter (Grüne), die die Bedeutung von Bildung für die Zukunft betonten.
Parallel zur Diskussion in Schleswig-Holstein hat das Bundeskabinett am 3. Dezember 2025 den dritten Bericht über den Ausbaustand der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder beschlossen. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung tritt am 1. August 2026 schrittweise in Kraft und wird bis zum Schuljahr 2029/2030 für alle Kinder der ersten bis vierten Jahrgangsstufe gelten.
Bundesweite Entwicklungen
Aktuell besuchen rund 1,9 Millionen Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren in Deutschland eine Ganztagsschule oder Tageseinrichtung. Der zusätzliche Bedarf an Plätzen bis 2029/30 wird auf etwa 264.000 geschätzt. Die Bundesregierung stellte dafür 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung und plant, das Investitionsprogramm für den Ausbau der Ganztagsbetreuung um zwei Jahre zu verlängern. In diesem Rahmen ist vorgesehen, zusätzliche Betriebskosten durch eine jährliche Anpassung der vertikalen Umsatzsteuerverteilung zu decken.
Diese Maßnahmen und Investitionen verdeutlichen den politischen Willen, den Ausbau der Ganztagsbetreuung langfristig voranzutreiben. Bundesfamilienministerin Karin Prien hob die bisherigen Anstrengungen von Ländern und Kommunen beim Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote hervor, ein Aspekt, der auch in Schleswig-Holstein von zentraler Bedeutung ist.
Es bleibt abzuwarten, wie die Umsetzung dieser Pläne in der Praxis aussehen wird und ob die Kritiker der Landesregierung Gehör finden. Die Investitionen in die Bildungsinfrastruktur sind jedoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer verbesserten Bildungssituation in Schleswig-Holstein und darüber hinaus.