Hamburgs Stadtwirtschaft boomt. Laut dem neuen Beteiligungsbericht 2024, veröffentlicht von der Hamburger Finanzbehörde, sind die Investitionen der städtischen Unternehmen im Jahr 2024 auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen, was einem Plus von 18 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist fast eine Verdopplung seit 2019. Finanzsenator Dr. Andreas Dressel hebt hervor, dass diese Investitionen entscheidend für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Förderung der Energiewende sind. Trotz der Herausforderungen durch geopolitische Konflikte, steigende Zinsen und Inflation konnten die Unternehmen ein positives Gesamtergebnis von rund 1,04 Milliarden Euro erzielen.
Die Beschäftigtenzahl in der Hamburger Stadtwirtschaft hat mit über 79.000 einen historischen Höchststand erreicht – ein Anstieg von 5,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg bei den Auszubildenden, der bei 2.282 liegt, was einen Zuwachs von 7,8 % bedeutet. Dies zeigt die wachsende Bedeutung der öffentlichen Unternehmen auf dem Ausbildungsmarkt und ihre Rolle in der Schaffung von Perspektiven für junge Bürger.
Mitbestimmung und Nachhaltigkeit
Der Bericht bietet auch einen umfassenden Einblick in die Personalstruktur, Tarifbindung und Mitbestimmung der Stadtunternehmen. Ein bemerkenswerter Aspekt ist das nahezu paritätische Verhältnis der Aufsichtsgremien, in denen 50,8 % der Mitglieder Frauen sind. Im Jahr 2024 liegt das Verhältnis zwischen den Geschäftsleitungen und dem Durchschnittseinkommen der Beschäftigten bei 1 zu 3,76 und zeigt einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Ein neues Merkmal des Berichts ist die systematische Erhebung zu betrieblicher Mitbestimmung, während der Fokus auf Nachhaltigkeit und Klimastrategien in der Unternehmenspraxis wächst. So wird auch eine neue Kennzahl zur Leistung installierter Photovoltaikmodule eingeführt. Diese Kennzeichnung soll die Transparenz in der Nutzung erneuerbarer Energien erhöhen und dokumentiert den Fortschritt in Richtung der Nachhaltigkeitsziele.
Öffentliche Investitionen und wirtschaftliche Herausforderungen
Die bundesweite Diskussion um Investitionen wird auch durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beleuchtet. Ein Bericht des DIW hebt hervor, dass Deutschland in den letzten Jahrzehnten notwendige Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und Digitalisierung vernachlässigt hat. Aktuelle wirtschaftliche Schwierigkeiten sind sowohl konjunktureller als auch struktureller Natur, was die Notwendigkeit von Investitionen verdeutlicht. Berechnungen zeigen, dass öffentliche Investitionen in Höhe von über 100 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,5 Prozent steigern könnten.
Eine stärkere Wirtschaft könnte zu höheren Steuereinnahmen führen, wodurch die Ausgaben nahezu ausgeglichen werden könnten. Trotz eines Anstiegs der öffentlichen Investitionen seit der Finanzkrise bleibt der Anteil am BIP jedoch auf einem niedrigen Niveau. Diese Entwicklung wird als wesentlicher Grund für die schwache Produktions- und Einkommensentwicklung in Deutschland angesehen, da der Rückgang des Anteils öffentlicher Investitionen am BIP, der sich seit 1970 ungefähr gedrittelt hat, die gesamte Wirtschaft belastet.
Der Beteiligungsbericht 2024 ist online unter www.beteiligungsbericht.hamburg.de verfügbar und bietet umfassende Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung und die gesellschaftliche Verantwortung der städtischen Unternehmen. Der Bericht verdeutlicht die zentrale Rolle, die die Hamburger Stadtwirtschaft in der kommunalen Entwicklung und im wirtschaftlichen Gesamtkontext spielt.