Die Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den USA sind erneut in den Fokus gerückt, da 52% der kanadischen Kleinunternehmen die USA mittlerweile nicht mehr als zuverlässigen Handelspartner betrachten, ein Jahr nach Beginn des Handelskriegs. Diese Erkenntnis stammt aus einer aktuellen Umfrage des Canadian Federation of Independent Business (CFIB) und signalisiert ein wachsendes Misstrauen unter den kanadischen Unternehmern gegenüber ihren südlichen Nachbarn. In Anbetracht dieser Entwicklungen hat die kanadische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu stabilisieren.
Am 22. August 2025 wurde bekannt, dass die Verhandlungen im Zollstreit zwischen Kanada und den USA stagnieren. In einem entscheidenden Schritt hat die kanadische Regierung beschlossen, zahlreiche Vergeltungszölle auf US-Importe aufzuheben. Premierminister Mark Carney erklärte dazu: „Freihandel für die große Mehrheit unserer Waren wiederhergestellt.“ Ab dem 1. September 2025 werden Güter, die unter das USMCA-Abkommen fallen, von Zöllen ausgenommen. Dazu zählen bedeutende Produktkategorien wie Agrarprodukte, Konsumgüter und Maschinen.
Fortschritte und Herausforderungen
Zusätzlich hat die kanadische Regierung die Hoffnung geäußert, dass dieser Schritt neue Impulse für die festgefahrenen Verhandlungen über ein umfassendes wirtschaftliches Abkommen mit der Trump-Regierung erzeugen könnte. Der bilateral ortsansässige Handel zwischen den beiden Ländern ist bereits zu 85 Prozent zollfrei, jedoch bleiben Zölle auf US-Autos, Stahl und Aluminium vorerst bestehen.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete Kanadas Entscheidung als „nett“ und plant eine baldige Kontaktaufnahme mit Premierminister Carney. Trotz des Anscheins von Fortschritt gestaltet sich die politische Lage innerhalb Kanadas turbulent, da Carney auf die Unterstützung seiner Opposition angewiesen ist, um seine Minderheitsregierung zu stabilisieren. Kritiker, wie der Vorsitzende der Konservativen, werfen ihm vor, einen zu milden Kurs gegenüber den USA zu fahren, was zusätzliche innenpolitische Herausforderungen mit sich bringt.
Ein fragiles Verhältnis
Das Verhältnis zwischen Kanada und den USA bleibt angespannt, nicht zuletzt aufgrund der Drohungen von Trump zur Annexion kanadischer Gebiete. Diese Aspekte haben dazu geführt, dass der Handelskonflikt weiterhin ungelöst bleibt. Die kanadische Regierung hofft, durch die Aufhebung von Vergeltungszöllen einen Zugang zum als wichtig erachteten US-Markt zu sichern.
Der Hintergrund dieser angespannten Handelsbeziehungen ist auch durch die Entwicklung der US-Wirtschaft geprägt: Über einen Zeitraum von einem Jahr hat sich der Wert von US-Aktien um 12,28% erhöht. Trotz dieses positiven Trend gibt es in Kanada Bedenken bezüglich der Zuverlässigkeit der USA als Handelspartner, was sich in den aktuellen Umfragewerten niederschlägt. Der zunehmende Fokus auf den Schutz nationaler Interessen könnte die zukünftigen Handelsgespräche zwischen Kanada und den USA beeinflussen.