Eine aktuelle Umfrage des WDR zeigt, dass viele Hausärzte Überweisungen an Fachärzte häufig ohne Rücksprache mit den Patienten ausstellen. Dies führt zu einer wachsenden Sorge unter den Hausärzten, dass die zeitnahe Versorgung ihrer Patienten durch Fachärzte nicht sichergestellt ist. Laut dem Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) sind Überweisungen bei medizinischer Notwendigkeit jedoch rechtmäßig, und die Kritik an den Facharztpraxen wird zurückgewiesen.
Die Nutzung von Dringlichkeitsüberweisungen wird von einigen Hausärzten als Geschäftspraktik angesehen, die zusätzliche Honorare für die Facharztpraxen generiert. Tatsächlich zeigen WDR-Recherchen, dass die Facharztpraxen häufig besondere Überweisungen verlangen, um hohe Zuschläge abzurechnen. Während die behandelnden Ärzte im Allgemeinen Verständnis für die wirtschaftliche Situation der Fachärzte haben, bleibt die Sorge, dass dies das Vertrauen der Patienten untergräbt.
Problematik der Dringlichkeitscodes
Die Fachärzte argumentieren, dass die Einführung von Dringlichkeitscodes keine zusätzlichen Behandlungszeiten schafft. Diese Codes, die ursprünglich zur schnelleren Terminvergabe gedacht waren, finden zunehmend Anwendung, was zu einer Verzerrung der Wahrnehmung führen könnte. Der Bundesrechnungshof hat in einer Prüfung des Terminservicegesetzes festgestellt, dass trotz hoher Kosten die durchschnittlichen Wartezeiten für Patienten nicht gesenkt wurden.
Rund 150.000 Hausarztvermittlungsfälle pro Quartal stehen Millionen an Facharztbehandlungen gegenüber. Der Bundesrechnungshof sowie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordern daher die Abschaffung der aktuellen Regelungen, da die hohen Kosten keinen klaren Mehrwert für die Patienten bieten. Eine Meinungsumfrage zeigt, dass nur ein Teil der Hausärzte diese Forderung unterstützt.
Terminservicestellen als Lösung?
Um die Wartezeiten zu verkürzen, können Patienten bei dringendem Bedarf an Arzt- oder Psychotherapeuten-Terminen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) kontaktieren. Diese sind unter der Nummer 116117 erreichbar, die auch für den ärztlichen Bereitschaftsdienst nutzt wird. Patienten können auf verschiedene Arten Termine buchen, wobei auch die Praxen die Möglichkeit haben, freie Termine online zu melden.
Für die Buchung eines Termins ist in der Regel eine Überweisung mit einem Vermittlungscode erforderlich. Ausnahmen bestehen bei Hausärzten, Kinder- und Jugendärzten, Augenärzten, Gynäkologen sowie für psychotherapeutische Erstgespräche. Diese Regelungen sind Teil des Patientenservices und sollen die Versorgung der Patienten optimieren.
Die anhaltende Debatte über die Dringlichkeit von Überweisungen und die entsprechenden finanziellen Anreize zeigt, wie komplex die Situation im deutschen Gesundheitssystem ist. Das Vertrauen der Patienten in die Ärzte bleibt entscheidend, um die optimale Versorgung sicherzustellen.