Quedlinburg hat ein innovatives Projekt für den Brandschutz ins Leben gerufen, das nicht nur den historischen Charme der Stadt bewahren, sondern auch ihre Kulturschätze schützen soll. Die neu installierte Hochtechnologie-Löschanlage sorgt dafür, dass im Brandfall schnell und effektiv eingegriffen werden kann. Laut MDR nutzt die Anlage eine spezielle Technik, bei der ein Liter Wasser 600 Liter Löschschaum erzeugt. Dieser Schaum erstickt die Flammen und schützt gleichzeitig den Dachstuhl der Stiftsberg-Gebäude.
Die Feuerwehr kann nach Brandereignissen den Schaum absaugen, was im Vergleich zu herkömmlichen Löschmethoden den Wasserschaden an den wertvollen historischen Orten minimiert. Insgesamt wurden 67 Schaumgeneratoren installiert, die eine Fläche von 2.800 Quadratmetern abdecken. Der Löschwasservorratsbehälter der Anlage fasst 11.000 Liter Wasser, was einen klaren Vorteil gegenüber herkömmlichen Sprinkleranlagen darstellt, die bis zu 48.000 Liter benötigen würden.
Herausforderungen und Lösungen im Brandschutz
Der Brandschutz ist in Quedlinburg, speziell auf dem Schlossberg, ein besonders sensitives Thema. Der Zugang für Feuerwehrfahrzeuge ist durch mittelalterliche Tore eingeschränkt. Diese Gegebenheiten erforderten spezielle Lösungen, weshalb die Quedlinburger Feuerwehr ein kleines Einsatzfahrzeug für enge Zugangsmöglichkeiten eingesetzt hat. Dieses neue Konzept wurde vor dem Hintergrund der Brandkatastrophe von Notre-Dame 2019 komplett überarbeitet.
Nachdem das Schloss und das Museum in den letzten sechs Jahren saniert wurden, wird die Wiedereröffnung von Stiftsberg und der Kirche, einschließlich des Domschatzes, für Ende März erwartet. Das Schlossmuseum plant zudem, im dritten Quartal eine neue Ausstellung zu eröffnen. Ein Teil des Brandschutzkonzepts ist insbesondere die Verwendung der Schaum-Löschtechnologie, die in Situationen eingesetzt wird, wo Wasser möglicherweise nicht die beste Lösung ist. Diese Technologie ist besonders effektiv in Räumen mit brennbaren Flüssigkeiten oder gefährlichen Materialien.
Technische Details der Schaum-Löschanlagen
Schaum-Löschanlagen zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, eine „Decke“ über den Brandstoffen zu bilden, die den Sauerstoff entzieht und die Flammen schnell löscht. Laut Minimax sind sie besonders effektiv in Gefahrstofflagern, wo explosive oder entzündliche Substanzen lagern. Hier ist es wichtig, dass spezielle rechtliche Vorgaben beachtet werden, die unter anderem der Sicherheit von Menschen und der Umwelt dienen.
Zusätzlich zu den Schaum-Löschanlagen können auch Gaslöschanlagen installiert werden, die besonders in sensiblen Bereichen wie Rechenzentren oder Archiven zum Einsatz kommen. Diese Systeme schützen wertvolle Inhalte, ohne Wasser zu verwenden, was Schäden an den Objekten verhindert. Laut Aqua+ erfolgt die Installation ausschließlich durch zertifizierte Fachkräfte, die maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Anforderungen entwickeln.
Das neue Brandschutzsystem ist nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung Sicherheit, sondern auch ein Bekenntnis zur Bewahrung des historischen Erbes von Quedlinburg. Die umfassende Planung und die modernste Technik sollen dafür sorgen, dass im Ernstfall schnell und effektiv reagiert werden kann.