Am 12. November 2025 übergab der Sachverständigenrat sein Jahresgutachten 2025/2026 an Bundeskanzler Merz im Bundeskanzleramt. Das Gutachten kritisiert die derzeitige Prioritätensetzung bei den Ausgaben in Deutschland, die sich zu wenig auf zukunftsorientierte Investitionen konzentriere. Besonders die Bereiche Verkehrsinfrastruktur, Verteidigung und Schulbildung weisen gravierende Defizite auf. Angela Schnitzer, die Vorsitzende des Gremiums, äußerte ihr Erstaunen über die Ausgabenentscheidungen, die nicht ausreichend wachstumsfördernd sind, wie etwa bei der Pendlerpauschale und der Mütterrente.

Das Gutachten prognostiziert für das kommende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,9 Prozent. Ein Drittel dieses Wachstums wird dem Fiskalpaket zugeschrieben, ein weiteres Drittel resultiert aus einem Kalender-Effekt, da im nächsten Jahr weniger Feiertage auf Werktage fallen. Die Mehrheit der Wirtschaftsexperten spricht sich zudem für eine Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer aus, um eine gleichmäßigere Besteuerung aller Vermögensarten zu erreichen. Allerdings lehnt die Ökonomin Grimm die Reformpläne ab, da sie negative Folgen für das Wachstum und die Familienunternehmen befürchtet.

Volkswirtschaft in der Stagnation

Laut sachverstaendigenrat-wirtschaft.de leidet die deutsche Volkswirtschaft 2025 unter einer Stagnation, nachdem sie in den Jahren 2023 und 2024 eine Rezession durchlebt hat. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen konjunkturelle Faktoren, einen Strukturwandel sowie geopolitische Veränderungen, die das traditionelle Exportmodell der deutschen Wirtschaft gefährden. Die Fragmentierung des europäischen Binnenmarktes erschwert es zusätzlich, sich an die globalen Herausforderungen anzupassen.

Inländische Faktoren wie der Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit sowie die demografische Alterung tragen zur aktuellen Wirtschaftslage bei. Die Bundesregierung hat ein Finanzpaket zur Stärkung der Investitionsfähigkeit und zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben beschlossen, jedoch wird die Umsetzung als verbesserungsbedürftig eingeschätzt, um Wachstumschancen nicht zu gefährden.

Notwendige Reformen und Herausforderungen

Der Sachverständigenrat hat im Rahmen des Jahresgutachtens Bedenken zur Ausgestaltung des Finanzpakets geäußert und seine gesamtwirtschaftlichen Wirkungen analysiert. Auch die Beseitigung von überflüssiger Bürokratie wird als notwendig erachtet, um die Kosten für Unternehmen zu reduzieren und Wachstumshemmnisse zu beseitigen. Der Rat betont die Notwendigkeit, die Integration der europäischen Binnen- und Kapitalmärkte sowie der europäischen Verteidigung voranzutreiben.

Zusätzlich wird eine Reform der Unternehmensbesteuerung diskutiert, um Verzerrungen in Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen abzubauen. Bei der Vermögensverteilung in Deutschland werden Anreize zur Kapitalmarktbeteiligung vorgeschlagen. Der Strukturwandel wird durch geopolitische Veränderungen, steigende Energiekosten und langfristige Trends wie die Digitalisierung geprägt.

Die EU steht vor eigenen Herausforderungen, einschließlich einer geringen wirtschaftlichen Dynamik und einer sich verschärfenden sicherheitspolitischen Lage. Der Sachverständigenrat erwartet für 2025 ein BIP-Wachstum von 0,2 % und für 2026 von 0,9 %, zusammen mit einer Verbraucherpreisinflation von 2,2 % (2025) und 2,1 % (2026). Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) soll bis 2037 Investitionsrückstände abbauen und zur Klimaneutralität beitragen. Seine Wachstumswirkung hängt jedoch stark von der zusätzlichen Verwendung der Mittel ab. Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Regionen sowie zur Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen sind ebenfalls notwendig, um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten.