In einer aktuellen Studie warnt die KfW vor einem drohenden Rückschritt im Klimaschutz, der sich negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirken könnte. Der Bericht, der in Zusammenarbeit mit Deloitte entstand und im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Brasilien veröffentlicht wurde, hebt hervor, dass Klimaschutz nicht nur notwendig, sondern auch eine Chance zur Stärkung der Wettbewerbs- und Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft darstellt. Besonders betont wird der globale Markt für grüne Technologien, der bis 2045 voraussichtlich vervierfacht werden könnte und damit erhebliche wirtschaftliche Chancen bietet. Laut KfW-Chef Stefan Wintels überwiegen die wirtschaftlichen Vorteile von klimaschützenden Investitionen gegenüber den wahrgenommenen Belastungen, die die Energiewende mit sich bringt.
Die Prognosen sprechen von einem globalen Investitionsvolumen in saubere Technologien von jährlich rund zwei Billionen US-Dollar, doppelt so hoch wie die Investitionen in fossile Energien. Deutschland hält dabei einen Marktanteil von 13 Prozent am globalen Welthandel mit grünen Technologien. In einer Umfrage des DIHK gab zudem die Mehrheit der Unternehmen an, dass die Senkung der Energiekosten das Hauptmotiv für ihre klimabezogenen Investitionen darstelle. Dennoch warnt die DIHK, dass die Energiewende auch zu Kostensteigerungen führen könnte, was zu einer spürbaren Belastung der Wirtschaft führen würde.
Wirtschaftliche Implikationen und Chancen
Die KfW weist zudem darauf hin, dass klimabedingte Schäden weltweit in den letzten fünf Jahren über eine Billion US-Dollar summiert haben. In Deutschland sind etwa 7,5 Prozent der Jobs direkt an grüne Technologien gebunden. Um diese Fortschritte zu sichern, wird die Politik aufgefordert, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen und Forschung sowie Investitionen in den Klimaschutz zu fördern. Eine klare politische Richtung, insbesondere zur CO2-Bepreisung, wird als entscheidend erachtet, um die notwendigen frühzeitigen Investitionen in grüne Technologien zu ermöglichen.
Die Bundesregierung hat sich zudem aktiv mit den Auswirkungen der Klimapolitik der letzten Jahre auseinandergesetzt. Ein aktuelles Forschungsgutachten erforscht die Angebote und Herausforderungen des Klimaschutzes sowie die Klimaanpassungsmaßnahmen bis 2030, unter Berücksichtigung mehrerer klimapolitischer Maßnahmen wie dem EU-Klimaschutzpaket „Fit for 55“ und dem Gebäudeenergiegesetz. Die Ergebnisse zeigen auf, dass zusätzliche Investitionen in den Klimaschutz von geschätzten 40 bis 55 Milliarden Euro erforderlich sind, insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien, um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern.
Künftige Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen
Die KfW warnt, dass die durch politische Rollbacks und den Versuch der Bundesregierung, das Verbrenner-Aus ab 2035 auf EU-Ebene rückgängig zu machen, grüne Investitionen gefährden könnte. Solche Maßnahmen könnten die Volatilität und die Risikowahrnehmung für Unternehmen erhöhen, was sich negativ auf die Bereitschaft zur Investition in klimafreundliche Technologien auswirken könnte. Um dem entgegenzuwirken, erwarten Experten eine positive Beschäftigungsentwicklung bis 2030, insbesondere in den Bereichen Bau und Dienstleistungen, während gleichzeitig auch negative Effekte in den Sektoren Bergbau und Energieversorger zu beobachten sein könnten.
Die Anstrengungen zur Dekarbonisierung erfordern von der Politik klare Signale und eine proaktive Haltung. Die Einigung zur CO2-Bepreisung auf EU-Ebene wird als wichtiger Schritt angesehen, um die Rahmenbedingungen für die notwendigen Investitionen in Klimaschutzgüter zu schaffen. Die KfW hat seit 2017 über 360 Milliarden Euro für Klima- und Umweltschutz zugesagt, was deutlich macht, dass es ein starkes Interesse an nachhaltigen Investitionen gibt und ein Drittel der erforderlichen Emissionsminderungen bis 2050 auf Technologien basiert, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden.
Für die kommenden Jahre wird erwartet, dass die deutschen Unternehmen, die auf nachhaltige Geschäftsmodelle setzen, nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, sondern auch einen signifikanten Beitrag zu einem nachhaltigen Wachstum leisten können. Die Herausforderungen sind groß, aber die Chancen, die grüne Technologien und der Klimaschutz bieten, sind erheblich.
Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln von taz, KfW und Bundeswirtschaftsministerium.