Die Bundesregierung hat am 29. Oktober 2025 eine weitreichende Erhöhung des Mindestlohns beschlossen, die als die größte Lohnerhöhung seit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 gilt. Der Mindestlohn in Deutschland soll bis Anfang 2027 auf 14,60 Euro pro Stunde steigen. Dieser Beschluss der Merz-Regierung, ausgearbeitet von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), sieht eine Anhebung in zwei Stufen vor.

Ab dem 1. Januar 2026 wird der Mindestlohn von aktuell 12,82 Euro auf 13,90 Euro angehoben. Ein weiteres Anheben auf 14,60 Euro ist für den 1. Januar 2027 geplant. Diese Entscheidung basiert auf einem Beschluss der Mindestlohnkommission, die aus Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern besteht und im Juni 2023 getagt hat. Laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes könnten bis zu 6,6 Millionen Jobs von dieser Erhöhung profitieren.

Finanzielle Auswirkungen der Erhöhung

Die Anhebung des Mindestlohns wird insgesamt eine Steigerung von fast 14 Prozent mit sich bringen. Experten schätzen, dass die Lohnkosten für Arbeitgeber im Jahr 2026 etwa 2,18 Milliarden Euro und im Jahr 2027 etwa 3,44 Milliarden Euro betragen werden. Rund 10-12 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland sind von dieser Maßnahme betroffen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet durch die Erhöhung eine Verringerung des Niedriglohnsektors sowie eine Minderung der Lohnungleichheit. Allerdings weist das IAB auch auf mögliche negative Effekte durch die steigenden Lohnkosten hin.

Der Mindestlohn wurde erstmals am 1. Januar 2015 eingeführt, wobei er damals bei 8,50 Euro pro Stunde lag. Vor dieser Einführung hatten zwischen 4,8 und 5,4 Millionen Beschäftigte weniger als diesen Betrag verdient. Trotz anfänglicher Bedenken von Gegnern des Mindestlohns, die Arbeitsplatzverluste befürchteten, zeigen Studien, dass das Beschäftigungsniveau nicht nennenswert beeinträchtigt wurde. Im ersten Jahr nach der Einführung wurden sogar 216.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs in betroffenen Branchen geschaffen.

Langfristige Effekte und Unterstützung

Eine weitere Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro war am 1. Oktober 2022 in Kraft getreten, was Einkommensverbesserungen für rund acht Millionen Beschäftigte mit sich brachte. Außerdem ergaben Studien, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Anhebung positiv waren, mit nur geringen Inflationseffekten und unbegründeten Sorgen vor einer Lohn-Preis-Spirale. Der aktuelle Mindestlohn von 12 Euro entspricht etwa 53 Prozent des Medianlohns, während die EU-Richtlinie eine Höhe von mindestens 60 Prozent vorsieht.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert darüber hinaus eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf 14 Euro und anschließend auf 15 Euro. Unterstützt wird diese Forderung von Persönlichkeiten wie Olaf Scholz und Saskia Esken, die ebenfalls eine progressive Angleichung des Mindestlohns befürworten. Die Debatte um den Mindestlohn bleibt daher ein zentrales Thema in der deutschen politischen Landschaft.

Für weitere Informationen zu den Details der aktuellen Mindestlohnerhöhung und den dazugehörigen politischen Maßnahmen, siehe Newstime und Boeckler.