Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil wirbt derzeit in Washington um bedeutende Investitionen in Deutschland. Ziel sind milliardenschwere Mittel, die dazu beitragen sollen, die deutsche Wirtschaft anzuheben. Klingbeil betont, dass Deutschland in turbulenten Zeiten ein sicherer Hafen sei und präsentiert das Land als drittgrößte Volkswirtschaft sowie verlässlichen Partner auf dem internationalen Markt. Bei einem Treffen mit etwa 40 internationalen Finanzmanagern unterstreicht er die Möglichkeit für gezielte Investitionen in einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld.
Die Bundesregierung wird von Klingbeil sowie der Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan vertreten, während sie ihre Zielvorgaben für Investitionen erläutern. Ein wesentliches Instrument hierzu ist das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das für die Modernisierung der Infrastruktur sowie für Klimaschutzmaßnahmen vorgesehen ist. Für die kommenden zwei Jahre wird ein Anstieg der privaten Investitionen um etwa 120 Milliarden Euro erwartet.
Direktinvestitionen und Wirtschaftswachstum
Aktuell fließen rund 760 Milliarden Euro in die deutsche Wirtschaft, wobei dieser Betrag bis zum Jahr 2027 auf 880 Milliarden Euro ansteigen soll. Eine Steuerregelung zur schnelleren Abschreibung von Investitionen wurde als Wachstumsbooster hervorgehoben. Dennoch berichtet die Bundesbank, dass die Direktinvestitionszuflüsse nach Deutschland seit 2022 signifikant zurückgegangen sind. Im Zeitraum von Ende 2021 bis Mitte 2024 flossen nur noch 62 Milliarden Euro an Beteiligungskapital zu, was im Vergleich zu den Jahren 2020 und 2021, in denen mehr als 100 Milliarden Euro investiert wurden, einen Rückgang darstellt.
Insgesamt haben ausländische Anleger ihr Beteiligungskapital in Deutschland seit Ende 2019 kumuliert um 163 Milliarden Euro erhöht, wobei der Großteil aus Ländern außerhalb des Euroraums stammt, insbesondere aus den USA, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Allerdings zeigt der Trend, dass die Zuflüsse aus Drittländern im Vergleich zu den Vorjahren signifikant abgeflacht sind. Besonders im verarbeitenden Gewerbe werden ausländische Investitionen in der Herstellung von Kraftfahrzeugen und Maschinenbau beobachtet.
Investitionshemmnisse und Wettbewerbsfähigkeit
Anhaltende Herausforderungen beeinträchtigen das Investitionsklima in Deutschland. Die KfW hebt hervor, dass Unternehmensinvestitionen im dritten Quartal 2024 preisbereinigt um 6,5 Prozent unter dem Niveau von Ende 2019 liegen. Auch die Gesamtinvestitionen des Privatsektors haben um 8,3 Prozent abgenommen. In den USA hingegen sind private Investitionen um rund 14 Prozent gestiegen.
Stefan Wintels, Vorstandschef der KfW, hebt die Dringlichkeit von Investitionen zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erreichung von Klimazielen hervor. Laut Unternehmensbefragungen stellen hohe Energie- und Lohnkosten sowie Fachkräftemangel erhebliche Investitionshemmnisse dar. Auch ein schlechtes makroökonomisches Umfeld wurde von vielen als Hindernis erkannt, was die Attraktivität Deutschlands für ausländische Investoren mindern könnte.
Währenddessen sieht die Bundesregierung in den geplanten Investitionshilfen sowie in der Modernisierung der Infrastruktur eine Möglichkeit, die nationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Finanzhilfen sollen gezielt auch an Kommunen fließen, wobei der Bundesrat dem Vorschlag zur Mittelverteilung bereits zugestimmt hat. Alexander Schweitzer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, kündigte an, dass 60 Prozent der Mittel an Kommunen gehen würden, wodurch die lokalen Investitionsprojekte gefördert werden können.