Arthur Hayes, ehemaliger Trader bei der Deutschen Bank und Mitbegründer von BitMEX, äußert sich besorgt über die zukünftige Entwicklung des Finanzsektors. In einem aktuellen Interview prognostiziert er für 2026 eine kritische KI- und Bankenkrise, die erheblichen Einfluss auf Bitcoin haben könnte. Laut Hayes wird erwartet, dass die Künstliche Intelligenz Millionen von Wissensarbeitern in den USA ersetzen wird, was in der Folge zu massiven Kreditausfällen und einem Druck auf die Finanzinstitute führen könnte. Die Verluste der US-Banken durch Konsumentenkredite und Hypotheken könnten sich auf etwa 557 Milliarden Dollar belaufen, was in etwa halb so stark wie die Finanzkrise von 2008 wäre, jedoch schneller und konzentrierter ausfallen könnte.
In dieser Situation wäre vor allem mit Druck auf kleinere, schwächer kapitalisierte Banken zu rechnen, was eine Wiederholung der Regionalbankenkrise von 2023 nach sich ziehen könnte. Hayes erwartet, dass die US-Notenbank, die Federal Reserve, massiv gegensteuern und Geld drucken wird. Diese geldpolitischen Maßnahmen haben in der Vergangenheit oft zu einem Anstieg des Bitcoin-Kurses geführt, was die Anleger an der Kryptowährung hoffen lässt. Hayes skizziert zwei Szenarien für Bitcoin: Entweder hat der Kurs bereits die Talsohle erreicht oder Bitcoin könnte im Zuge eines breiten Marktrückgangs noch weiter fallen, bevor die Notenbank eingreift und eine Rallye auslöst.
Marktentwicklung und Kreditvergabe
Eine Analyse von River zeigt, dass Unternehmen, Fonds und Staaten ihre Bitcoin-Bestände bis 2025 erheblich erhöht haben, während Kleinanleger 696.000 BTC verkauft haben. Die Daten zeigen, dass Unternehmen ihre Bestände um 489.000 BTC, Fonds und ETFs um 205.000 BTC und Regierungen um 135.000 BTC aufgestockt haben. Hayes warnt jedoch vor einem Auseinanderdriften zwischen Bitcoin und dem Nasdaq 100. Dies könnte auf aufkommenden Stress im Kreditsektor hinweisen. Händler sollten aufmerksam werden, wenn korrelierende Vermögenswerte divergieren.
Das bevorstehende Problem für die Banken könnte sich aus den vielen Entlassungen ergeben, die durch den Einsatz von KI in den letzten Jahren verursacht wurden. Allein im Technologiesektor gab es 2025 etwa 55.000 Entlassungen. Ein Rückgang der Beschäftigung von Wissensarbeitern könnte die Rückzahlung von Hypotheken- und Verbraucherkrediten beeinträchtigen und somit das Eigenkapital der Banken verringern sowie die Kreditvergabe einschränken.
Regulierung und Technologien im Finanzwesen
Um den Herausforderungen im Kreditgeschäft gerecht zu werden, nutzen Banken zunehmend Algorithmen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit. Laut einer Untersuchung der BaFin werden diese Technologien in verschiedenen Bereichen, auch in der Kreditvergabe, fest eingesetzt. Banken verwenden sowohl teilautomatisierte als auch vollständige automatisierte Verfahren, wobei im Ratenkreditgeschäft vollautomatisierte Verfahren zur Anwendung kommen. Allerdings gibt es Bedenken, dass solche Algorithmen Diskriminierung verstärken können, da Experten feststellen, dass kritische Merkmale wie Wohnort und Herkunft nicht mehr berücksichtigt werden.
Verbraucherschutzorganisationen äußern Bedenken hinsichtlich der mangelnden Transparenz bei automatisierten Entscheidungen und warnen vor der Gefahr von Überschuldung. Die BaFin hat die bestehenden Prozesse überprüft und fordert in der neuen MaRisk-Novelle eine stärkere Berücksichtigung verbraucherschutzrechtlicher Aspekte. Die aktuelle Marktsituation und die Entwicklungen im Bereich der KI und Automatisierung stehen also in einem engen Zusammenhang mit der zukünftigen Stabilität des Finanzsektors.
Wie sich all diese Faktoren auf Bitcoin auswirken werden, bleibt abzuwarten. Hayes hält ein neues Allzeithoch über 126.000 Dollar für wahrscheinlich, jedoch bleibt unklar, wie anstrengend der Weg dorthin für die Anleger wird.
Für detailliertere Informationen über diese Entwicklungen lesen Sie bitte auch die Beiträge von Ingenieur.de, Klamm.de und die fachlichen Analysen von BaFin.