In Deutschland steht eine alarmierende Anzahl an bundeseigenen Wohnimmobilien leer, während der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Städten zunehmend kritisch wird. Ein aktueller Fall betrifft eine über 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Stadtvilla in Chemnitz, die sich seit fast zwei Jahren in einem Zustand der Vernachlässigung befindet. Das Gebäude gehört dem Bund und steht unter der Verwaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Die Stadtvilla befindet sich im beliebten Gründerzeitviertel Kaßberg und wird zum Verkauf angeboten. Die BImA plant, das Gebäude für rund eine halbe Million Euro zu veräußern, jedoch sollen keine Sanierungsarbeiten vorgenommen werden, um die Immobilie wieder zu vermieten. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Verantwortung des Bundes auf, insbesondere da auch in Dresden ein ähnliches Schicksal für einen gesamten Häuserblock bevorsteht.

Situation in Dresden

In Dresden-Neustadt gibt es einen Häuserblock, der von der BImA verwaltet wird und ebenfalls leersteht. Eine Anwohnerin berichtet, dass sogar über einen Abriss des Gebäudes diskutiert wird. Die BImA bestätigte, dass der Häuserblock leergezogen werden soll und aus wirtschaftlichen Gründen zurückgebaut wird. 32 Wohnungen sind vom Abriss betroffen, und Rückbaumaßnahmen sind für dieses Jahr geplant. Ein Neubau soll spätestens 2028 realisiert werden.

Caren Lay, Mitglied der Linken im Deutschen Bundestag, äußert sich in Bezug auf diese Entwicklungen besorgt. Sie kritisiert, dass bezahlbarer Wohnraum abgerissen wird, um Platz für neue, möglicherweise teurere Wohnungen zu schaffen. Lay fordert eine dringende Lösung des Leerstands, insbesondere in Zeiten, in denen der Mietennotstand sich weiter verschärft.

Rund 9% der Immobilien stehen leer

Die Situation ist nicht isoliert. Laut einer aktuellen Erhebung sind etwa 3192 Wohnungen, die im Besitz des Bundes sind, ungenutzt. Der Tagesspiegel berichtet, dass rund 9% des gesamten Wohnungsbestandes des Bundes leer stehen. Ein Großteil dieser leerstehenden Wohnungen ist aufgrund von Mängeln oder Sanierungsarbeiten nicht vermietbar. Darüber hinaus gelten fast 1000 leerstehende Wohnungen als nicht marktaktiv und stehen dem Mietmarkt nicht zur Verfügung.

In der Gesamtheit verwaltet die BImA etwa 37.000 Wohnungen für Bundesbedienstete, von denen fast die Hälfte der gewerblichen Flächen ebenfalls ungenutzt ist. Dies verdeutlicht die prekäre Lage im Bereich der bundeseigenen Immobilien und die Dringlichkeit, eine Lösung für den Leerstand zu finden.