Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) betonte in einem aktuellen Interview mit dem Deutschlandfunk die Notwendigkeit, die Rechenkapazitäten in Deutschland auszuweiten. Der Anlass für seine Äußerungen war ein kürzlich stattgefundenes Gipfeltreffen zu Künstlicher Intelligenz in Indien. Dort wurde die Herausforderung deutlich, die rapide wachsenden digitalen Märkte weltweit zu bedienen.
Wildberger machte konkret auf die enorme Investition von 11 Milliarden Euro der Schwarz-Gruppe in ein neues Rechenzentrum in Lübbenau, Brandenburg, aufmerksam. Diese Maßnahme zeigt, dass sich Deutschland proaktiv um die Verbesserung seiner Infrastruktur bemüht, um im internationalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten. Dennoch bleibt das Land auf der Strecke: Einem Bericht von tagesschau.de zufolge hat Deutschland einen erheblichen Rückstand gegenüber globalen Anbietern.
Wachstum der Rechenzentren in Deutschland
Die Nachfrage nach Rechenzentren in Deutschland steigt rasant, insbesondere durch den Boom der Künstlichen Intelligenz (KI). Bis 2030 wird eine Verdopplung der Kapazitäten auf etwa 5.000 Megawatt prognostiziert. Von den aktuell 2.000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von über 100 Kilowatt sind 100 bereits mit über 5 Megawatt ausgestattet. Laut einer Analyse des Bitkom wird der Bedarf an KI-fähiger Rechenzentrumsleistung bis 2030 um bis zu 300 Prozent zunehmen.
Das entspricht einer Vervierfachung der aktuellen Kapazität, die von 530 Megawatt auf 2.020 Megawatt steigen wird. Die Experten warnen jedoch vor einer drohenden Versorgungs- und Infrastrukturkrise in Deutschland, wenn nicht rechtzeitig entsprechend investiert wird.
Bürokratische Hürden und Energiebedarf
Ein zentrales Problem bleibt die lange Dauer der Planung und Genehmigung von Rechenzentren in Deutschland. Eine Einschätzung von Bitkom zeigt, dass hohe bürokratische Hürden den Fortschritt erheblich bremsen. Diese Situation hat bereits dazu geführt, dass Milliarden-Investitionen ins Ausland abfließen, wo die Rahmenbedingungen günstiger sind.
Experten fordern eine Reduzierung der Bürokratiekosten sowie eine schnellere Realisierung neuer Projekte. Die Energiewende könnte hilfreich sein, um die Herausforderungen der hochfrequenten Stromnachfrage durch die Rechenzentren zu meistern. Der Strombedarf soll beispielsweise bis 2025 auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden ansteigen.
Indien, das sich mit einer Investition von 100 Milliarden Dollar in Rechenzentren als digitales Powerhouse positioniert, verdeutlicht den globalen Wettbewerbsdruck. Wildberger hob hervor, dass Indien bei der KI-Wettbewerbsfähigkeit im letzten Jahr auf den dritten Platz hinter den USA und China gerankt wurde, was den Handlungsbedarf in Deutschland zusätzlich unterstreicht.
Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer nationalen KI-Infrastrukturstrategie. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im digitalen Sektor hängt maßgeblich von dem politischen und wirtschaftlichen Willen ab, notwendige Schritte zügig zu realisieren und die bestehenden Herausforderungen zu überwinden.