Die deutsche Wirtschaft sieht sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber. Vor allem die übermäßige Bürokratie wird von mittelständischen Unternehmern als das größte Wachstumshemmnis identifiziert. Laut einer aktuellen Befragung bewerten die deutschen Mittelständler die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit der Note 4,2 auf einer Skala von 1 bis 6. Der Unmut über die vorhandene Bürokratie ist greifbar und erreicht alle Sektoren, von der Industrie bis hin zu Dienstleistungen. Die jährlichen Bürokratiekosten für Unternehmen belaufen sich mittlerweile auf etwa 62 Milliarden Euro, so ad-hoc-news.

Über 40 Prozent der Befragten fordern, dass der Bürokratieabbau an oberster Stelle stehen sollte, dicht gefolgt von Steuerreformen (37,1 Prozent). Besondere Probleme sehen Unternehmen in langen Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie in komplexen ESG-Regeln, die Investitionen, insbesondere in Künstliche Intelligenz, bremsen. Ohne tiefgreifende Reformen warnen Studien wie die von KPMG vor erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Die Bundesregierung hat zwar angekündigt, Bürokratie abbauen zu wollen, indem bestimmte Berichtspflichten im Lieferkettengesetz gestrichen werden, jedoch herrscht Skepsis unter den Mittelständlern bezüglich der Wirksamkeit dieser Maßnahmen.

Bürokratieabbau: Versprechen und Herausforderungen

Der Mittelstand sieht in der Bürokratie nicht nur ein unmittelbares Hindernis für Wachstum, sondern auch für Innovationen. Laut einer Studie des Ifo-Instituts gilt die Bürokratie als eines der größten Hemmnisse für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Trotz des im Koalitionsvertrag festgehaltenen Versprechens zur Entlastung bleiben konkrete Fortschritte aus. Eine andere Studie weist darauf hin, dass die jährlichen Bürokratiekosten in der Wirtschaft mittlerweile etwa 64 Milliarden Euro betragen und dass der Erfüllungsaufwand seit 2011 um 13,2 Milliarden Euro gestiegen ist. Eine leichte Entlastung von 3,2 Milliarden Euro wurde zwar verzeichnet, doch die strukturelle Belastung bleibt hoch, so ifo.

Die im Oktober 2025 vorgestellte „Modernisierungsagenda Staat und Verwaltung“ zielt darauf ab, die Bürokratiekosten bis 2029 um 25 Prozent und den Erfüllungsaufwand um 10 Milliarden Euro zu senken. Ein zentraler Bestandteil dieser Agenda ist die Modifikation der bestehenden Regelungen, die das „One-in-one-out-Prinzip“ (OIOO) beinhalten. Neu geplante Regelungen sollen mit diesen neuen Vorgaben in Einklang stehen, indem für jede neue Regelung zwei bestehende Regelungen wegfallen. Zudem sind ressortspezifische Umsetzungsberichte und praxisnahe Tests neuer Gesetze geplant, um sicherzustellen, dass die neu geschaffenen Regelungen tatsächlich die beabsichtigte Entlastung bringen.

Forderungen des Mittelstands

Der Mittelstand begrüßt die innovative Richtung der Agenda, fordert jedoch Verbindlichkeit und klare Erfolgskriterien sowie ein unabhängiges Monitoring-Gremium zur Überwachung der Maßnahmen. Kurzfristige Entlastungen sollen durch die Vereinfachung von Vergabeverfahren, die Einführung digitaler Nachweise und schnelleren Betriebsprüfungen erreicht werden. Die Forderungen umfassen eine gesetzliche Verankerung des One-in-two-out-Prinzips sowie die Vermeidung von „Gold-Plating“ bei EU-Vorgaben. Zudem wird eine vollständige Entlastung von den Vorgaben des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) für KMU gefordert.

Die Umsetzung der Modernisierungsagenda sowie der bürokratische Rahmen, in dem Unternehmen operieren, wird also entscheidend für die Zukunft des Mittelstands sein. Während die Prognose für 2026 ein Wachstum von 1,0 Prozent, hauptsächlich getragen durch öffentliche Investitionen, anzeigt, bleibt abzuwarten, wie effektiv die angekündigten Reformen umgesetzt werden können, um den Forderungen der mittelständischen Unternehmen gerecht zu werden, wie mittelstandsverbund berichtet.