Am Sonntag, den 26. Oktober 2025, entscheiden die Bürger Münchens über die mögliche Bewerbung der Stadt für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele. Die Diskussionen um die Vor- und Nachteile dieser Bewerbung sind bereits seit Monaten im Gange. Befürworter der Olympia-Bewerbung führen zahlreiche Pro-Argumente an, wie die dringend notwendigen Investitionen in neue Wohnungen sowie die Verbesserung der Radwege und der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) br.de.

Geplant sind unter anderem ein neues Stadtquartier in Daglfing, die Verlängerung der U-Bahnlinie U4 sowie der S-Bahn-Ringschluss Nord. Trotz dieser städtebaulichen Vorhaben stellt sich die Frage, ob solche Investitionen auch ohne die Unterstützung durch die Olympischen Spiele realisiert werden könnten. Andreas Haas, Pressesprecher der Stadt München, erklärt, dass viele dieser Maßnahmen Teil des bestehenden Stadtentwicklungsplans sind. Dennoch wären zusätzliche Mittel erforderlich, um eine schnellere Umsetzung zu gewährleisten. Ohne Olympia könnten einige Projekte später oder möglicherweise gar nicht realisiert werden.

Wirtschaftliche Perspektiven und Infrastruktur

Der Klaus Wohlrabe vom ifo Institut hebt hervor, dass die Olympischen Spiele möglicherweise zusätzliche Fördermittel nach München bringen könnten. Diese Perspektive wird unterstützt durch eine Studie der MCube, die die Stadt beauftragte, die wirtschaftlichen Folgen einer Olympia-Kandidatur zu analysieren. Laut den Studienautoren, Oliver May-Beckmann und Dr. Daniel Schröder, benötige München clevere Infrastrukturmaßnahmen unabhängig von Olympia. Jedoch könnten die Olympischen Spiele auch die Umsetzung von Infrastrukturprojekten beschleunigen, da sie finanzielle Mittel und politische Prioritätierung mit sich bringen merkur.de.

Die Studie schätzt den erwarteten Nutzen der Infrastrukturprojekte im mehrstelligen Milliardenbereich. Investitionen in den ÖPNV rechnen sich im Schnitt 3:1 für die Volkswirtschaft. Dennoch gibt es Risiken, und die Projekte können unterschiedliche wirtschaftliche Chancen bergen. Um Verluste zu vermeiden, empfehlen die Studienautoren, sich zunächst auf kleinere, risikoarme Projekte zu konzentrieren, wie den Ausbau der Radschnellverbindungen und die Begrünung öffentlicher Flächen.

Argumente der Gegner und organisatorische Aspekte

Auf der anderen Seite sind auch zahlreiche Gegner der Olympia-Bewerbung zu Wort gekommen. Viele bezweifeln, dass die Spiele tatsächlich zu neuem Wohnraum und einer Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs führen werden. Tobias Ruff, Fraktionsvorsitzender der ÖDP/Münchner Liste, äußert Bedenken, dass U-Bahn-Projekte in der geplanten Frist realisierbar seien und weist darauf hin, dass die vorgesehenen Flächen für das Olympische Dorf bereits für Wohnungsbau eingeplant wurden.

Die Stadt München plant, die Durchführungskosten der Spiele größtenteils durch Einnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsoren und einen Beitrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu decken. Zudem sollen Infrastrukturkosten durch Mittel von Bund, Freistaat sowie private Finanzierungen abgedeckt werden. Um die Projektumsetzung zu beschleunigen und bürokratische Hürden abzubauen, wird die Einführung eines „Olympia-Gesetzes“ vorgeschlagen, das die Priorisierung dieser Maßnahmen in der Verwaltung sicherstellen soll.

Die Entscheidung der Münchner Bürger über die Olympia-Bewerbung stellt somit nicht nur eine richtungsweisende Entscheidung für die Stadt dar, sondern könnte auch weitreichende Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung Münchens haben.