Im Weimarer Vorort Süßenborn steht eine Neugestaltung des ehemaligen Real-Marktes kurz bevor. Die Supermarktkette, die im September 2023 Insolvenz anmeldete, hinterließ eine leerstehende Filiale, die seit Anfang 2024 ungenutzt war. Mit der Genehmigung zur Nachnutzung des Geländes will die Stadt Weimar nun neue Impulse für die lokale Wirtschaft setzen. Baudezernentin Claudia Kolb stellte in einer Einwohnerversammlung die Pläne vor, die einige Einzelhandelsgeschäfte umfassen sollen.

Vorgesehen sind unter anderem ein Lebensmittelgeschäft, ein Sonderpostenmarkt, eine Drogerie sowie ein Friseur. Diese Ansiedlungen könnten etwa 80 neue Arbeitsplätze schaffen, was als erheblichen Gewinn für das Gewerbegebiet angesehen wird. Ortsteilbürgermeister Ulrich Haußner erklärte, dass Kunden voraussichtlich in einem Jahr wieder in der Region einkaufen können.

Kontroversen um die Neupositionierung

Trotz der positven Aussichten ist die Zukunft des Standorts nicht unumstritten. In den Ausschüssen der Stadt Weimar wird aktuell das Einzelhandels- und Zentrenkonzept diskutiert, das einen Fokus auf die Innenstadt legen möchte, um eine Streuung des Angebots zu vermeiden. Strittig ist dabei, dass die Genehmigung für die Ansiedlung neuer Betriebe im Gewerbegebiet Süßenborn gegen die eigenen Planungsgrundsätze zu verstoßen scheint. Insbesondere die Frage, warum der Standort für zentrenrelevante Sortimente geöffnet wurde, sorgt für Unruhe im Stadtrat.

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat bereits Fragen an den Oberbürgermeister formuliert. Diese beinhalten unter anderem die Gründe für die Genehmigung der Ansiedlung trotz Widerspruch zum bestehenden Bebauungsplan, sowie Pläne zur Unterstützung des Innenstadt-Einzelhandels. Laut Stadtentwicklungsamt könnte das Projekt den Grundsätzen der Raumordnung widersprechen, was weiter für Diskussionen sorgt.

Weimar als aufstrebender Wirtschaftsstandort

Weimar hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort in Thüringen entwickelt. Die zentrale Lage der Stadt und die gute Erreichbarkeit über Autobahnen sowie das Schienennetz stärken die Wirtschaftsstruktur. Das Verarbeitende Gewerbe spielt eine zentrale Rolle, ergänzt durch einen stetig wachsenden Dienstleistungssektor. Auch die Kreativwirtschaft, der Tourismus, die Bildung, Forschung sowie die Gesundheitswirtschaft tragen zum wirtschaftlichen Erfolg Weimars bei.

Die Stadt erfreut sich an einer starken Bildungslandschaft, die Fachkräfte ausbildet und Innovation fördert. Unterstützungsangebote von Stadt und Freistaat Thüringen, wie das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum, kommen insbesondere neuen Unternehmen zugute. Die Investitionsbedingungen und Steuervorteile machen Weimar zu einem attraktiven Standort für Investoren und Unternehmer, was durch regelmäßige Wirtschaftsforen und Branchennetzwerke weiter gefördert wird.

Zusammenfassend betrachtet setzt Weimar mit der Wiederbelebung des ehemaligen Real-Marktes nicht nur auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern trägt auch zur Stärkung des lokalen Einzelhandels bei, wobei die Umsetzung und langfristige Integration in die Stadtplanung weiterhin kritisch beobachtet werden.