Neumünster plant eine bedeutende Investition in die Abwasserversorgung mit dem Bau eines neuen Faulturms und eines großen Gasspeichers. Diese Maßnahmen sollen die Verwertung von Abwasser optimieren und tragen zur Energieeffizienz der Stadt bei. Der geplante Faulturm, der eine Kapazität von 3.000 Kubikmetern haben wird, übertrifft die bestehenden Anlagen, die nur 2.000 Kubikmeter fassen und eine Höhe von 17 Metern erreichen. Die Kosten für beide Bauprojekte belaufen sich auf schätzungsweise 7 bis 8 Millionen Euro und die Fertigstellung des Faulturms ist für den Herbst 2026 vorgesehen, während der Gasspeicher im Jahr 2027 in Betrieb genommen werden soll. Laut kn-online.de wird das aus Faulschlamm gewonnene Biogas zur Stromerzeugung verwendet, um die Elektrofahrzeuge des kommunalen Entsorgungsunternehmens TBZ anzutreiben.

Derzeit verfügen die Fahrzeuge des TBZ lediglich über einen 10-prozentigen Anteil an elektrischen Antrieben. Das Ziel der Stadt ist es, bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen. Ein dritter Müllwagen mit elektrischem Antrieb soll laut den aktuellen Plänen noch in diesem Jahr angeschafft werden. Die konventionellen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nutzen HVO95-Diesel, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird.

Erweiterung des Klärwerks

Um den Anforderungen an eine nachhaltig höhere Abwasserbewirtschaftung gerecht zu werden, ist die Meierei Barmstedt bereit, die Erweiterung des Klärwerks zu finanzieren. Dies ermöglicht die Einleitung von bis zu 2,1 Millionen Kubikmetern Abwasser pro Jahr. Die Kosten für diese Erweiterung belaufen sich auf rund 3,77 Millionen Euro. Derzeit beträgt die Erlaubnis der Kläranlage 9,5 Millionen Kubikmeter jährlich, wobei die Erweiterung um 820.000 Kubikmeter eine Reaktion auf einen Abwasserskandal im Jahr 2022 darstellt. Damals hatte die Meierei die zulässigen Grenzwerte überschritten, was zu strengen Auflagen und einer Drosselung des Betriebs führte, wie kn-online.de berichtet.

Die Umstellung auf umweltschonendere Verfahren zur Dentrifikation ist für die Erweiterung ebenfalls notwendig. Die Maßnahmen sollen insgesamt bis 2027 abgeschlossen sein und werden einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen leisten.

Effiziente Abwassertechnik

Eine Studie des Umweltbundesamtes betont, dass die Abwasserbehandlungsanlagen, die rund 20 Prozent des Energiebedarfs in deutschen Städten ausmachen, durch Maßnahmen zur Energieeffizienz und verbesserte Eigenenergieerzeugung ihren CO2-Ausstoß um bis zu 40 Prozent senken können. Insbesondere der jährliche Strombedarf dieser Anlagen beläuft sich auf fast 4.400 Gigawattstunden, was einen signifikanten Anteil der Energiekosten ausmacht, wie umweltbundesamt.de schreibt. Zudem könnten durch Optimierungen jährlich etwa 900 Gigawattstunden Strom und rund 600.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden.

Forschungsprojekte am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität München zeigen, dass bei zeitgemäßen Abwasserreinigungsverfahren der Energieverbrauch hoch bleibt, wobei nur ein kleiner Teil als nutzbare Energie, hauptsächlich in Form von Methan, rückgewonnen wird. Richtige Verfahren, wie das CANDO-Verfahren zur gezielten Lachgasgenerierung, sowie die Betrachtung von Abwasser als wertvolle Energiequelle, könnten erhebliche Fortschritte in der energetischen Effizienz von Kläranlagen bringen, so cee.ed.tum.de.