Rathbones, ein führender Vermögensverwalter in Großbritannien, hat in seinem aktuellen Bericht dringende regionale Investitionen gefordert. Der Bericht mit dem Titel „Building Prosperity: Five Recommendations for Growth and Investment in the UK“ beschreibt das Land als „die geografisch ungleichste Wirtschaft der entwickelten Welt“. Besonders betroffen sind Regionen außerhalb des Südostens, wo die Analysen einen kritischen Zustand der Unterinvestition feststellen.
Der Bericht hebt hervor, dass die Pro-Kopf-Ausgaben für Verkehr in London 80 % höher sind als in Schottland, dem Gebiet mit den zweithöchsten Ausgaben. Zudem erreichen nur 40 % der Menschen in den neun größten Städten außerhalb Londons das Stadtzentrum in 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, während in ähnlichen europäischen Städten 67 % dieser Anspruch erfüllt wird. Diese Ungleichheiten behindern das Wachstum und die Entwicklung regionaler Wirtschaftsstrukturen.
Investitionshemmnisse identifiziert
Zu den wichtigsten Hindernissen für Unternehmensinvestitionen zählt Rathbones hohe Energiekosten, die beinahe 50 % über dem Medianwert der Industrieländer liegen. Im Vergleich sind die Strompreise im Vereinigten Königreich viermal so hoch wie in den USA und anderthalb Mal so hoch wie im europäischen Durchschnitt. Auch die schlechten Verkehrsanbindungen und Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten wurden als wesentliche Faktoren identifiziert, die den wirtschaftlichen Fortschritt insbesondere im Norden des Landes behindern.
Ein herausragendes Beispiel sind die Streichungen im Zusammenhang mit der nördlichen HS2-Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke, die als kritisch für die zukünftige Entwicklung gilt. Rathbones appelliert daher an die Regierung, große Verkehrsprojekte außerhalb Londons zu unterstützen und eine Dezentralisierung der Entscheidungsfindung zu veranstalten. Diese Maßnahmen sind notwendig, um dem Kreislauf aus schwachem Wachstum und steigendem Steuerdruck zu entkommen.
Politische Empfehlungen
In dem Bericht werden fünf kritische Bereiche für politische Maßnahmen identifiziert: Renten, Unternehmensbesteuerung, regionale/öffentliche Investitionen, Vermögensbesteuerung und Reform des Immobilienmarktes. Um die bereits angesprochenen Herausforderungen anzugehen, empfiehlt der Bericht ein investitionsorientiertes Vorgehen. Dazu gehört auch eine Reform des Planungs- und Infrastrukturgesetzes, um Genehmigungen zu beschleunigen, da derzeit weniger als ein Viertel der wichtigen Planungsentscheidungen in einem Zeitraum von 13 Wochen getroffen werden.
Eine Analyse von Infrastruktur in Deutschland zeigt, dass es hier ebenfalls hohe Nachhol- und Zusatzbedarfe gibt. Die Investitionsquote im öffentlichen Sektor ist im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich, besonders schwach ist sie in Bezug auf öffentliche Investitionen. Seit 2019 sind die Investitionszuschüsse an andere Sektoren gestiegen, doch die Schätzungen zum zusätzlichen Investitionsbedarf sind alarmierend: Fast 600 Milliarden Euro werden benötigt, um die Infrastruktur in verschiedenen Bereichen wie Dekarbonisierung und Wohnungsbau zu modernisieren. Dies sind große Herausforderungen, die beide Länder angehen müssen.
In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Landschaft ist es unabdingbar, dass sowohl die britische als auch die deutsche Regierung strategische Maßnahmen ergreifen, um die dringend benötigten Investitionen in die Infrastruktur zu gewährleisten und Gelegenheiten für wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Nur so kann der Weg zu einer nachhaltigeren und faireren Wirtschaft geebnet werden.