Der Ukraine-Konflikt hat in den letzten Jahren die Wahrnehmung und den Einsatz von Drohnen dramatisch verändert. Laut ZDF haben Drohnen inzwischen einen essenziellen Anteil am Kriegsgeschehen. Der Co-Vorstand des deutschen Drohnenherstellers Helsing, Gundbert Scherf, hebt hervor, dass 80 bis 90 Prozent der Verluste auf beiden Seiten direkt auf den Einsatz von Drohnen zurückzuführen sind. Er fordert vor diesem Hintergrund eine Umverteilung der Verteidigungsbudgets, um mehr in autonome Systeme zu investieren. Aktuell liegt das Budgetverhältnis bei 99 zu 1 zugunsten konventioneller Systeme.
In diesem Kontext hat Helsing einen bedeutenden Auftrag zur Produktion von 6000 HX-2 Kampfdrohnen für die Ukraine erhalten, ergänzt durch einen früheren Auftrag von 4000 Drohnen, die bereits ausgeliefert wurden. Diese elektronisch angetriebenen X-Wing-Präzisionsdrohnen sind nicht nur kosteneffizient, sondern auch widerstandsfähig gegenüber elektronischer Kriegsführung, dank der Integration von Künstlicher Intelligenz.
Innovationen und strategische Entwicklungen
Im Rahmen der Produktion wird eine Resilience Factory (RF-1) in Süddeutschland eingerichtet, die anfangs eine Kapazität von 1000 HX-2 Drohnen pro Monat bietet und künftig in der Lage sein soll, Zehntausende Einheiten pro Monat zu produzieren. Scherf unterstreicht, dass die moderne Technologie in der Lage ist, zahlenmäßige Nachteile auszugleichen und somit ein wesentlicher Faktor für die Verteidigungsfähigkeit ist.
Der Ukraine-Krieg zeigt dabei, wie unbemannte Systeme die Kriegsführung verändern. Laut IPG Journal werden in diesem Konflikt sowohl traditionelle Waffensysteme wie Artillerie als auch digitale Technologien in Form von Drohnen eingesetzt. Dabei wird das Konzept der Revolution in Military Affairs durch den verstärkten Einsatz von unbemannten Systemen reaktiviert. Beobachter erwarten, dass diese technologischen Entwicklungen nicht nur den ukrainischen Verteidigungseinsatz, sondern auch die gesamte europäische Rüstungsindustrie grundlegend transformieren werden.
Die Bedeutung von Drohnen zeigt sich auch in der Strategie beider Konfliktparteien. Scherf betont, dass die Ukraine 2022 über zwei Millionen Drohnen eingesetzt hat und plant, diese Zahl für 2023 zu verdoppeln. Russland verfolgt ähnliche Strategien, was die Notwendigkeit verdeutlicht, das Thema Drohneneinsatz ernst zu nehmen.
Zukunft der Rüstungsindustrie
Der Markt für Kampfdrohnen ist hart umkämpft, da zahlreiche Rüstungsunternehmen um Aufträge zur Lieferung an die Ukraine konkurrieren. Helsing hat sich mit der HX-2 bereits als einer der größten Drohnenhersteller weltweit positioniert. Die Massenproduktion der HX-2 soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Abschreckung und den Schutz demokratischer Werte in Europa stärken. Niklas Köhler, ein weiterer Mitgründer von Helsing, hebt hervor, dass die Entwicklung der Massenproduktion durch innovative, softwarebasierte Designs entscheidend ist.
Der Ukraine-Konflikt ist daher nicht nur ein Kräftemessen zwischen den Streitkräften, sondern auch ein Testfeld für die Innovationsfähigkeit und industrielle Resilienz. Die Gespräche über die künftige Rolle von Drohnen und die Notwendigkeit von Regulierungen werden immer relevanter, während sich die Konfliktformen und -dynamiken weiterentwickeln. Der Einsatz unbemannter Systeme dürfte eine prägende Rolle in der Kriegsführung der Zukunft spielen.