Russland durchlebt gegenwärtig eine wirtschaftliche Stagnation, die sich zunehmend in eine Rezession entwickelt. Laut Experten ist die Situation besonders unter Kleinunternehmern kritisch, was sich konkret im Gastronomiebereich zeigt. Vermehrte Schließungen von Restaurants und Cafés sind ein deutliches Zeichen für die verschlechterte Wirtschaftslage. Diese Tendenz wird zusätzlich durch die zweimalige Erhöhung der Steuern innerhalb eines Jahres verschärft. Zuletzt wurde am 1. Januar 2026 der Mehrwertsteuersatz von 20 auf 22 Prozent angehoben, was die Betriebskosten in der Gastronomie weiter steigen lässt. Die Umsatzgrenze für die Steuerpflicht wurde umgekehrt gesenkt, ein Schritt, der auch steuerbefreite Lokale stärker belastet, wie MDR berichtet.

Die russische Regierung sieht sich gezwungen, das wachsende Haushaltsdefizit durch Steuererhöhungen zu kompensieren. Bis August 2025 belief sich das Haushaltsdefizit auf 43 Milliarden Euro, wobei die hohen Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit einen erheblichen Anteil daran hatten. Expertenschätzungen zufolge könnte das Defizit 2026 bis zu vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die Wachstumsprognosen durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie das russische Finanzministerium stark gesenkt wurden. Die Prognosen deuten für 2025 nur noch auf ein Wachstum von 1,5 bis 1,3 Prozent hin. Auch die russische Zentralbank berichtet von Problemen in Schlüsselindustrien wie der Ölförderung, Kohle, Stahl und Automobilbranche. Die Tagesschau hebt hervor, dass die Wirtschaftstendenzen alarmierend sind.

Herausforderung für die Gastronomie

Dem Gastronomiemarkt steht eine ungewisse Zukunft bevor. Laut einer Umfrage planen 15 Prozent der Unternehmer, ihr Geschäft aufzugeben. Denis Maximow, Inhaber der Bäckerei „Maschenka“, brachte seine Sorgen während einer Fragestunde an Putin zum Ausdruck. Er äußerte Bedenken über die Steuerreform und deren Einfluss auf die Nachhaltigkeit seines Unternehmens. Trotz der Zusagen von Putin, kleinen Unternehmern Unterstützung zu bieten, bleibt die Entwicklung für viele Gastronomiebetriebe angespannt. Die hohen Betriebskosten werden zunehmend zur Bedrohung, da sie viele Betriebe in die Unrentabilität drängen, was zu einem anhaltenden Rückgang an Arbeitsplätzen führen könnte.

Ein Ökonom warnt zudem, dass das Scheitern des Mittelstands die Steuereinnahmen gefährden könnte, was die finanzielle Unterstützung des Regimes weiter einschränkt. Währenddessen plant Daniil Goldman, in den USA eine mobile Cocktailbar zu eröffnen, was seine gemischten Gefühle zur Gastronomie in Russland widerspiegelt.

Langfristige Aussichten und Abhängigkeiten

Trotz kritischer wirtschaftlicher Herausforderungen zeigen sich einige Erfolge. Nach einer anfänglichen Rezession im Jahr 2022 wuchs die russische Wirtschaft in den darauffolgenden zwei Jahren um jeweils über 4 Prozent. Dennoch hat der Internationale Währungsfonds für 2025 nur ein Wachstum von 0,6 Prozent prognostiziert. Langfristige Aussichten bleiben düster, auch wenn die militärische Produktion den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts beeinflusst. Die Militärausgaben stiegen auf fast die Hälfte der Haushaltseinnahmen, auch aufgrund des Ukraine-Kriegs, der erneut das wirtschaftliche Gefüge Russlands belastet.

Die Offizielle Inflationsrate liegt bei etwa 6 Prozent, jedoch wird vermutet, dass die tatsächlichen Zahlen höher sind. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Abhängigkeit Russlands von China, insbesondere bei kritischen Technologien. Der Anteil chinesischer Automarken auf dem russischen Markt hat sich von unter 10 Prozent im Jahr 2021 auf über 60 Prozent erhöht, was die Zukunft der heimischen Industrie weiter gefährdet.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden durch Sanktionen verstärkt, die westliche Länder nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 verhängt haben. Dies führt zu einem tiefgreifenden Strukturwandel in der russischen Wirtschaft und belastet insbesondere Sektoren wie Kohlebergbau, Bau, und Automobilindustrie, die sich bereits in der Krise befinden. Der Druck auf die russische Wirtschaft wächst, während die Aussichten für die kommenden Jahre und die Abhängigkeit von externen Märkten zunehmend ungewiss bleiben.