Russlands Wirtschaft steht in frühen Monaten des Jahres 2026 unter enormem Druck. Die Krise wird entscheidend durch die finanziellen Belastungen des Ukraine-Kriegs verstärkt. Eine aktuelle Erhebung des Russischen Verbands der Industriellen und Unternehmen (RSPP) zeigt alarmierende Ergebnisse: Nur vier Prozent der befragten Firmen bewerten ihre Geschäftslage als gut, was einen drastischen Rückgang von zehn Prozent im Vergleich zu Dezember 2025 darstellt. Dies ist der niedrigste Stand, den die Wirtschaft seit langem erlebt hat, und spiegelt eine tiefe Verunsicherung in der russischen Geschäftswelt wider, wie Merkur berichtet.
Ein Drittel der Unternehmen verzeichnet einen Rückgang der Nachfrage. Dieser Rückgang könnte auf die Erhöhung von Steuern zur Finanzierung des Krieges zurückzuführen sein, die zu einem deutlichen Anstieg der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent führte. Historisch betrachtet, entspricht dies einem zusätzlichen Einnahmevolumen von etwa 13 Milliarden Euro (1,187 Billionen Rubel) für den Staat. Kritiker warnen, dass diese Steuerlast den privaten Konsum weiter dämpfen wird, was die bereits angespannte wirtschaftliche Lage zusätzlich verschärfen könnte.
Lebensmittelpreise und soziale Auswirkungen
Die steigenden Lebenshaltungskosten sind ein zentrales Problem. Berichten zufolge konnten bereits im Oktober 2025 31 Prozent der Russen sich keine Lebensmittel mehr leisten. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu vor zwei Jahren gestiegen. Die schwierige Situation trifft viele Bürger hart, während der Kreml die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise verharmlost und den Rückgang als Teil einer Strategie gegen Inflation darstellt.
Die Probleme der russischen Wirtschaft werden auch durch westliche Sanktionen verstärkt, die insbesondere den Energiesektor belasten. Diese Sanktionen haben tiefe Einschnitte in den Staatshaushalt zur Folge, insbesondere angesichts der hohen militärischen Ausgaben. Die Verteidigungsausgaben haben sich seit 2021 mehr als vervierfacht und erreichen im Juni 2025 etwa 16 Billionen Rubel. Angesichts eines prognostizierten Haushaltsdefizits von etwa 4,2 Billionen Rubel (42,7 Milliarden Euro) forciert die russische Regierung Steuererhöhungen und Kürzungen im sozialen Bereich, während die militärischen Ausgaben unvermindert hoch bleiben, so T-Online.
Marktdruck und geopolitische Unsicherheiten
Ein weiterer besorgniserregender Faktor ist der Druck auf die russischen Energiekonzerne durch geopolitische Veränderungen. Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump über Indiens möglichen Verzicht auf russisches Öl erzeugen Unsicherheit für den russischen Energiemarkt. Beobachter warnen, dass diese Entwicklungen in Kombination mit einer EU-Politik, die möglicherweise zusätzliche Sanktionen gegen Russland erwägt, die wirtschaftliche Situation der Nation erheblich verschärfen könnten, wie DW berichtet.
Insgesamt stehen die Perspektiven für Russlands Wirtschaft auf einem historischen Tiefstand. Die Herausforderungen im Energiesektor, hohe Inflation und die ungewisse Zukunft des Ukraine-Kriegs tragen zur fortgesetzten Instabilität bei. Viele Unternehmen kämpfen nicht nur mit sinkenden Umsätzen, sondern auch mit einem akuten Arbeitskräftemangel, was die Wiederbelebung der Wirtschaft zusätzlich erschwert.