Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine neigt sich dem fünften Jahr zu, und die wirtschaftlichen Folgen sind für viele Bürger in Russland zunehmend spürbar. Laut Tagesspiegel sind insbesondere zwei Gruppen von den Auswirkungen betroffen: die westlich orientierte Mittelschicht sowie Mitglieder internationaler Unternehmen und die Elite, sowie Personen, die direkt in den Krieg involviert sind, wie jene in der Rüstungsindustrie oder mit Angehörigen an der Front. Die Schätzungen über die Zahl der tote, verwundeten und vermissten russischen Soldaten belaufen sich auf etwa 1,2 Millionen.

Die finanziellen Mittel, die der Kreml aufbringt, sind besorgniserregend. Die Militärausgaben Russlands betragen umgerechnet 240 Milliarden Euro, was etwa der Hälfte des Staatshaushalts entspricht. Diese Ausgaben fließen unter anderem in Rüstungsprogramme, Rekrutierungen und Entschädigungen. Im ersten Kriegsjahr 2022 machten die Militärausgaben 4% des Bruttoinlandsprodukts aus; 2023 stieg dieser Anteil auf knapp 8%. Präsident Wladimir Putin verfolgt eine Rekrutierung über Freiwilligkeit, um die Gesellschaft nicht weiter zu belasten, während die Zwangsmobilisierung im Herbst 2022 zu Massenflucht führte.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Sanktionen

Die russische Wirtschaft kämpft mit erheblichen Herausforderungen. So verzeichnet der Staatshaushalt ein Defizit von 2,6% des Bruttoinlandsprodukts, bei Berücksichtigung aller Budgets sind es sogar 4%. Diese Defizite sind vor allem auf steigende Militärausgaben und sinkende Energieeinnahmen zurückzuführen, die aufgrund eines Preisverfalls und der verschiedenen Sanktionen abgenommen haben. Währenddessen leidet die Bevölkerung unter Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten, beispielsweise durch hohe Gurkenpreise.

Laut Deutschlandfunk hat die EU kürzlich ihr 16. Maßnahmenpaket mit weiteren Sanktionen gegen Russland beschlossen, die unter anderem Export- und Importverbote sowie die Ausschluss russischer Banken aus dem Swift-System umfassen. Trotz dieser Maßnahmen verkauft Russland weiterhin Öl, Kohle und Gas, vorwiegend an Länder wie China und Indien. Diese Sanktionen zielen darauf ab, den Druck auf Präsident Putin zu erhöhen und den Kreml dazu zu zwingen, seine militärischen Ambitionen zu überdenken.

Der Energiesektor bleibt ein zentraler Bereich für potenzielle Sanktionen. So wird beispielsweise der Preis für russisches Rohöl auf etwa 48 Dollar pro Barrel gedeckelt. Hinzu kommen umfassende Einreiseverbote sowie die Aussetzung von Rundfunklizenzen für russische Medien. Ein Beispiel für die Wirksamkeit der Sanktionen bietet die Verbannung von fast 200 Schiffen, welche die russischen Einnahmen im Schwarzen Meer und der Ostsee stark beeinträchtigt hat.

Langfristige Perspektiven

Die Lage Russlands könnte angesichts dieser Entwicklungen langfristig kritisch werden. Experten befürchten, dass die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen nicht nachhaltig sind und eine Fortsetzung des Krieges zunehmend schwieriger wird. Ein Waffenstillstand könnte helfen, die Militärausgaben zu stabilisieren und gezieltere Investitionen zu ermöglichen, stellt jedoch auch die Frage, wie Russland nach einem möglichen Kriegsende weiter aufrüsten könnte.

Die EU hat zudem bereits 18 Sanktionspakete seit Februar 2022 verabschiedet und bereitet derzeit das 19. Paket vor. Über 2.500 Personen und Einrichtungen sind inzwischen auf der Sanktionsliste, was die Effizienz der Maßnahmen illustriert. Trotzdem gibt es Skeptiker, die argumentieren, dass Russland alternative Wege für seine Ölverkäufe findet. Die anhaltenden wirtschaftlichen Pressionen könnten sich auch auf den Arbeitsmarkt, Investitionen und die allgemeine Liquidität negativ auswirken, was die Zukunft des Landes insgesamt in Frage stellt.

Zusammenfassend bleibt die Situation in Russland und der Ukraine weiterhin angespannt, da die militärischen und wirtschaftlichen Strategien des Kremls unter dem Druck internationaler Sanktionen und interner Herausforderungen stehen. Laut Tagesschau könnten einige der getroffenen Maßnahmen schon bald eine bedeutende Perspektive für das geopolitische Gleichgewicht in Europa darstellen.