Alfred N. Schindler gibt seine Position als Präsident des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern ab. Bei einer Übergabe an seinen Nachfolger Thomas Jordan, den ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, äußern sich beide zur aktuellen Wirtschaftslage in der Schweiz. Schindler, der seit der Gründung des IWP vor rund sechs Jahren in dieser Rolle tätig war, betont gesundheitliche Gründe für seinen Rücktritt, den er zum Ende des Jahres vollziehen wird. Unter seiner Führung hat das IWP die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit wirtschaftspolitischen Themen gestärkt, sieht jedoch in der abnehmenden Zahl kritischer Wissenschaftler sowie in der Passivität der Stimmbürger eine alarmierende Entwicklung. Darüber hinaus macht er auf die Gefahren von Desinformation in sozialen Netzwerken aufmerksam, die die öffentliche Meinungsbildung beeinträchtigen können, wie NZZ berichtet.
Das IWP ist eng mit der Universität Luzern verbunden, wird jedoch von der Stiftung Schweizer Wirtschaftspolitik finanziert. Christoph Schaltegger leitet als Direktor die Geschicke des Instituts. Thomas Jordan hebt hervor, dass das IWP eine wichtige Rolle in der fiskalpolitischen Diskussion spielt und kritisiert die abnehmende Zahl von Professoren, die sich zur Wirtschaftspolitik äußern. Schindler hingegen warnt vor einer gefährlichen Selbstgefälligkeit in der Schweiz und plädiert für eine proaktive Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Beide betonen die Notwendigkeit, eine positive Grundeinstellung gegenüber Unternehmern zu fördern, um das wirtschaftliche Klima zu stärken.
Fiskalische Stabilität und die Rolle von Fiskalregeln
Ein zentrales Thema in den Gesprächen zwischen Schindler und Jordan ist die Bedeutung fiskalischer Stabilität. Seit der Corona-Pandemie ist die öffentliche Verschuldung in vielen Ländern, auch in der Schweiz, gestiegen. Hohe Staatsschulden können den Handlungsspielraum der Politik einschränken und das Wirtschaftswachstum bremsen, was Die Volkswirtschaft herausstellt. Es wird betont, dass Fiskalregeln eine wichtige Rolle spielen können, um der Verschuldungsneigung entgegenzuwirken und eine nachhaltige Finanzpolitik zu fördern. Über 100 Staaten weltweit setzen bereits Fiskalregeln ein, um die Ausgabendisziplin zu steigern und das Vertrauen in die Finanzen zu stärken.
Jordan hebt die Wichtigkeit von effizienten und zielgerichteten Regulierungen hervor, um unnötige Kosten zu vermeiden. Schindler warnt vor den Gefahren hoher Staatsverschuldung und Hyperinflation, während Jordan anmerkt, dass der Erfolg von Fiskalregeln stark von ihrem institutionellen Umfeld und ihrer konkreten Ausgestaltung abhängt. Es gibt empirische Belege, die zeigen, dass Fiskalregeln zu besseren Haushaltsresultaten führen, aber auch Kritik an den möglichen prozyklischen Tendenzen dieser Regeln.
Als Unternehmer im Liftbau mit internationaler Reichweite und mit einer tiefen Verwurzelung in der wirtschaftspolitischen Diskussion hat Schindler dazu beigetragen, wissenschaftliche Fakten verständlich zu vermitteln. Diese Verantwortung soll auch unter der Leitung von Jordan weitergeführt werden. Schindler und Jordan sind sich einig: Eine solide und transparente Finanzpolitik ist unerlässlich, um den Herausforderungen in Krisenzeiten begegnen zu können.