Die fortschreitende Digitalisierung beeinflusst nicht nur unseren Alltag, sondern hat auch bedeutende Auswirkungen auf die Regelungen im Nachlassfall. Die Verbraucherzentrale berichtet, dass die zunehmende Nutzung von Online-Bankgeschäften und virtuellen Verträgen dazu führt, dass wichtige Informationen oft nur digital verfügbar sind. In vielen Fällen haben Bevollmächtigte und Erben keine Kenntnis über diese Online-Accounts und die dazugehörigen Passwörter, was zu großen Unsicherheiten führen kann.

Die Notwendigkeit von zusätzlichen Vorsorge- und Nachlassregelungen wird immer deutlicher. In diesem Kontext bietet die Verbraucherzentrale ein kostenloses Web-Seminar am Dienstag, den 3. März, um 11:00 Uhr an, das sich an alle Altersgruppen mit Online-Accounts richtet. Teilnehmer sollen dabei die technischen Voraussetzungen erfüllen, wie über einen Computer oder Laptop mit Internetzugang zu verfügen und einen empfohlenen Browser wie Microsoft Edge, Mozilla Firefox oder Google Chrome zu nutzen. Die Dauer des Web-Seminars beträgt etwa 60 Minuten und bietet wertvolle Informationen zur digitalen Nachlassregelung.

Bedeutung des digitalen Nachlasses

Digitaler Nachlass umfasst alle Daten und Verträge, die auf digitalen Geräten und im Internet vorhanden sind. Dazu gehören nicht nur E-Mail-Accounts, Foto- und Bilddateien, sondern auch Bankkonten und Social-Media-Profile. Erben sind gemäß der gesetzlichen Bestimmungen Eigentümer dieser digitalen Inhalte und erhalten Zugriff auf relevante Benutzerkonten, E-Mails und Chats. Ein Meilenstein in der rechtlichen Klärung dieser Thematik stellte das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2018 dar, das bestimmten Nutzungsverträgen – wie bei Facebook – auf Erben übergeht.

Die verschiedenen Aspekte des digitalen Nachlasses lassen sich in materiellen und immateriellen digitalem Nachlass unterteilen. Zum materiellen digitalen Nachlass zählen digitale Vermögenswerte, Hardware sowie Speichermedien, während der immaterielle digitale Nachlass persönliche Informationen wie Social-Media-Accounts und E-Mail-Postfächer umfasst. Es ist wichtig zu wissen, dass bestimmte Inhalte, wie E-Books und Spiele-Accounts, nicht vererbt werden können, während Guthaben und Schulden auf Bankkonten sowie Online-Shop-Accounts in den Nachlass übergehen.

Vorsorgemaßnahmen treffen

Um Problemen im Zusammenhang mit dem digitalen Nachlass vorzubeugen, ist es ratsam, zu Lebzeiten entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Hierzu gehören unter anderem die Erstellung einer Vorsorgevollmacht oder eines Testaments, in dem verbindlich festgelegt wird, wer nach dem Tod Zugriff auf digitale Konten und Daten erhält. Außerdem sollte eine Testamentsvollstreckung in Betracht gezogen werden, um sicherzustellen, dass sensible Daten, wie Zugangsdaten, professionell verwaltet werden.

Die Möglichkeit zur sicheren Aufbewahrung von Zugangsdaten ist ebenfalls von Bedeutung. Es wird empfohlen, diese nicht ungeschützt zu lagern, sondern sicher in einer Passwortliste oder einem Passwortmanager zu verwahren. Das Masterpasswort sollte nur vertrauenswürdigen Personen oder einer Notarin/einem Notar bekannt sein, um den unbefugten Zugriff zu verhindern.

Insgesamt ist die Auseinandersetzung mit dem digitalen Nachlass unverzichtbar geworden. Während der digitale Raum zunehmend die Verwaltung und den Nachlass von Vermögenswerten beeinflusst, sind rechtzeitige Informationen und klare Regelungen der Schlüssel zu einer reibungslosen Nachlassregelung.

Für weitere Informationen kann das Web-Seminar der Verbraucherzentrale hier eingesehen werden. Detaillierte Erklärungen zum digitalen Nachlass und dessen Rechtslage finden Sie auch hier und hier.