Bundesfinanzminister Christian Klingbeil legte in einem aktuellen Interview dar, wie wichtig die europäische Souveränität ist, insbesondere in Anbetracht der globalen Unsicherheiten. Klingbeil nahm im November 2025 an einem Treffen der Eurogruppe und ECOFIN teil und berichtete von den gemeinsamen Anstrengungen mit Frankreich und weiteren Partnern. Diese beinhalten die Initiierung einer stärkeren und unabhängigen Europäischen Union (EU).
Zu den vier Prioritäten, die Deutschland in diesem Kontext festgelegt hat, zählt das Vorantreiben der Kapitalmarktunion, die Stärkung der internationalen Rolle des Euros, koordinierte Investitionen in Verteidigung und die Sicherung von Rohstoffen durch konsolidierte Partnerschaften. Klingbeil äußerte sich zuversichtlich, dass die EU trotz der aktuellen geopolitischen Herausforderungen zusammenhalten wird. Historisch gesehen hat die EU in Krisenzeiten stets bedeutende Entwicklungsschritte gemacht, was auch in der gegenwärtigen Krise von Bedeutung ist.
Initiativen und Herausforderungen in der digitalen Souveränität
Eine der größten Herausforderungen für Europa ist die eklatante Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern im Zahlungsverkehr. Rund 60 Prozent des digitalen Zahlungsverkehrs im Euro-Raum wird durch diese Anbieter verarbeitet, was die Souveränität und Sicherheit europäischer Verbraucher gefährdet. Ein Beispiel für die Risiken dieser Abhängigkeit war eine Sicherheitslücke bei PayPal im August 2025, die zu massenhaften ungeprüften Lastschriften führte. Um dieser Abhängigkeit entgegenzuwirken, wurde die europäische Bezahllösung Wero entwickelt, die Echtzeit-Zahlungen direkt von Konto zu Konto ermöglicht.
Mit mehr als 1,5 Millionen aktive Nutzern, die Wero bislang aktiviert haben, wird die Lösung ab November 2026 auch im E-Commerce und später im stationären Handel verfügbar sein. Diese Initiative zeigt die dringliche Notwendigkeit, eine souveräne digitale Infrastruktur zu schaffen, um Vertrauen in die Zahlungsdienste zu sichern.
Der Digitale Euro als Teil der europäischen Strategie
Ein zentrales Element zur Stärkung der europäischen Souveränität ist die geplante Einführung eines digitalen Euros durch die Europäische Zentralbank (EZB). Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, betonte die Wichtigkeit eines digitalen Zahlungsmittels, das Bargeld ergänzt und als souveränes Zahlungsmittel fungiert. Wichtige Funktionen des digitalen Euros sollen eine kostenlose Nutzung, der Schutz der Privatsphäre sowie eine Offline-Verwendbarkeit umfassen.
Die Notwendigkeit für einen digitalen Euro wird besonders evident, da immer mehr Verbraucher digitale Zahlungsmittel nutzen. In 13 Ländern des Euroraums werden bereits die meisten unbaren Bezahlvorgänge über internationale Anbieter abgewickelt. Diese Abhängigkeit könnte in Krisenzeiten problematisch werden und die Währungshoheit gefährden. Die EZB arbeitet daher an einem rechtlichen Rahmen zur Regelung des digitalen Euros, wobei Bedenken zur Finanzstabilität ernst genommen werden.
In einem fragmentierten Zahlungsverkehrsmarkt, der nichteuropäische Anbieter begünstigt, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor unerlässlich, um die Souveränität Europas in diesen Schlüsselmärkten zu wahren. Dies spielt auch eine Rolle bei der Entwicklung der European Digital Identity Wallet, die als europäische Lösung für digitale Identitäten und Bezahlmöglichkeiten angesehen wird.
Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen und Initiativen, dass Deutschland und die EU entschlossen sind, einen souveränen europäischer Zahlungsraum zu schaffen und die digitale Souveränität nachhaltig zu stärken.