Der Druck auf die Bundesregierung wächst, Maßnahmen zur Regulierung der Werbung für ungesunde Lebensmittel zu ergreifen. Die Verbraucherzentrale hat in einer aktuellen Stellungnahme auf die alarmierenden Ergebnisse hingewiesen: Viele Lebensmittel für Kinder enthalten mehr Zucker, Salz und Fett, als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Dies führt zu ernsthaften gesundheitlichen Risiken, insbesondere in Bezug auf die steigende Adipositasrate unter Kindern.
Die WHO hat ungesunde Ernährung als eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität in der Europäischen Region identifiziert. Über 50 % der Bevölkerung und ein Drittel der Kinder in vielen Ländern leiden an Übergewicht oder Adipositas, was langfristige Gesundheitsprobleme wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nach sich ziehen könnte. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) unterstützt die Forderungen nach einer Regulierung und hat sogar die Einführung einer Zuckersteuer vorgeschlagen. Laut der Bundesärztekammer sind 92 % der Werbung für Kinderlebensmittel ungesund.
Fehlende politische Maßnahmen
Trotz dieser Warnungen sieht der aktuelle Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung keine konkreten Maßnahmen zur Eindämmung der Werbung für ungesunde Lebensmittel vor. Die Verbraucherzentrale kritisiert das Fehlen effektiver Regelungen und fordert, dass nur gesunde Lebensmittel mit ansprechender Gestaltung für Kinder beworben werden dürfen. Das Problem wird dadurch verschärft, dass die Werbung in Deutschland weitgehend unreguliert ist und die Lebensmittelindustrie sich gegen ein Werbeverbot wehrt, indem sie anführt, dass 70 % ihrer Produkte betroffen wären.
Die zugrunde liegende Problematik wird durch aktuelle Statistiken verdeutlicht: Rund 15 % der Drei- bis Siebzehnjährigen in Deutschland sind übergewichtig, 6 % davon adipös. Insbesondere während und nach der Corona-Pandemie hat sich die Situation verschlechtert, da die Mediennutzung bei 70 % der Kinder in diesem Alter gestiegen ist. Diese Kinder sehen durchschnittlich 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel pro Tag.
Neue Richtlinien und Gesetzesinitiativen
Um den Anforderungen an den Kinderschutz gerecht zu werden, plant das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein neues Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz (KWG). Ziel ist, dass Werbung für ungesunde Lebensmittel nicht mehr direkt an Kinder gerichtet wird und auch Außenwerbung in der Nähe von Schulen, Kindertagesstätten oder Spielplätzen untersagt wird.
Das geplante Gesetz basiert auf den WHO-Nährwertprofilen und definiert klare Vorgaben für die Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder. Beispielsweise soll Werbung für Produkte mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt verboten werden. Getränke dürfen nur dann beworben werden, wenn sie keinen Zucker oder Süßstoffe enthalten. Die Bestimmungen zielen darauf ab, eine gesündere Ernährung durch eine Reduzierung der Verfügbarkeit ungesunder Lebensmittel zu fördern, die laut research auch zu einem erhöhten Konsum führen kann.
Die WHO hat zudem ein aktualisiertes Nährwertprofil-Modell entwickelt, das international angewendet wird, um die Vermarktung ungesunder Lebensmittel an Kinder stark einzuschränken. Dieses Modell berücksichtigt seit 2015 Entwicklungen in Wissenschaft, Politik und Lebensmittelumfeldern. Dr. Kremlin Wickramasinghe von der WHO betont die Ineffizienz bisheriger Selbstregulierungsansätze und fordert umfassendere Richtlinien.
Die Diskussion um die Gestaltung und Werbung für Kinderlebensmittel ist also aktueller denn je. Es remain to see, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich den gewünschten Erfolg bringen und ob sie in der politischen Realität auch umgesetzt werden.
Für weitere Informationen und detaillierte Studien zu diesem Thema können Sie die Berichte auf Diabetes News, WHO und Ernährungs Umschau besuchen.