Die Ukraine führt weiterhin gezielte Angriffe auf die russische Wirtschaft durch, um die Handlungsfähigkeit von Präsident Wladimir Putin einzuschränken. Heute wurde die Ilsky-Öl-Raffinerie in der Region Krasnodar mit einer ukrainischen Drohne attackiert. Der Vorfall, der zu einem Großbrand und mindestens zehn Explosionen führte, signalisiert den fortdauernden Konflikt zwischen den beiden Ländern, in dessen Rahmen die Ukraine zeigt, dass sie in der Lage ist, auch Ziele im Kernland Russlands anzugreifen. Laut fr.de wurden durch den Angriff rund 700 Quadratmeter in der Raffinerie beschädigt, während Verletzte bislang nicht gemeldet sind.

Die Ilsky-Raffinerie ist mit einer Verarbeitungskapazität von über sechs Millionen Tonnen Öl jährlich eine der wichtigsten Ölverarbeitungsanlagen Russlands. Sie produziert wesentliche Kraftstoffe wie Dieselkraftstoff, Benzin und Heizöl und ist bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe gewesen. Der jüngste Angriff kommt im Kontext eines deutlich spürbaren Rückgangs der russischen Ölproduktion, die bereits um insgesamt 126.000 Barrel pro Tag in den letzten Monaten gesenkt wurde. Während dieser Zeit hat die russische Öllagerkapazität auf insgesamt 32 Millionen Barrel abgenommen, was nur für drei bis vier Tage der normalen Produktionsmenge ausreicht.

Folgen für die russische Bevölkerung

Die Auswirkungen der Drohnenangriffe sind über den Kreis von Militär und Strategie hinaus spürbar. An russischen Tankstellen bilden sich zunehmend lange Schlangen, da die Attacken auf die Raffinerien zu einem Kraftstoffmangel führen. Einzelne Regionen berichten von einer Beschränkung des Benzinkaufs auf 20 Liter pro Person, und Autofahrer müssen bis zu zwei Stunden auf Sprit anstehen. Laut dem Ökonomen Wladislaw Inosemzew wurden durch die Angriffe bis zu 20 Prozent der Produktionskapazitäten in der Ölverarbeitung lahmgelegt, was zur Schließung von 360 Tankstellen in Russland innerhalb von zwei Monaten führte. Besonders stark betroffen ist die Krim, wo jede zweite Tankstelle den Benzinverkauf eingestellt hat. ZDF berichtet von den Schwierigkeiten, mit denen Russen beim Benzinkauf konfrontiert sind.

Russland versucht, den Binnenmarkt zu stabilisieren, indem es den Ölgesellschaften vorschreibt, Kraftstoffe zu regulierten Preisen anzubieten und staatliche Kompensationen in Anspruch zu nehmen. Zugleich werden die Treibstoffexporte eingeschränkt und Importerhöhungen aus Ländern wie Belarus angestrebt. Trotz dieser Maßnahmen sieht die Lage in der russischen Energiewirtschaft angesichts der Reparaturverzögerungen beschädigter Raffinerien ernst aus. Inosemzew geht davon aus, dass die Benzinknappheit noch Monate andauern könnte, und äußert Zweifel, dass Russland in diesem Jahr zum Normalbetrieb zurückkehrt.

Wirtschaftliche Herausforderungen für den Kreml

Die Angriffe auf die Energiewirtschaft fallen in eine Zeit, in der der Kreml mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Experten berichten von einer möglichen Rezession, und während Putin bei der Russischen Energiewoche in Wladiwostok versucht, die Stabilität der russischen Energiewirtschaft zu präsentieren, sind die tatsächlichen wirtschaftlichen Daten alles andere als ermutigend. Der russische Finanzminister spricht von stagnierendem wirtschaftlichem Wachstum, während die Inflation und hohe Staatsausgaben den privaten Sektor belasten. Zudem sieht sich die Russische Ölindustrie im August mit mindestens zehn Angriffe auf Raffinerien konfrontiert. Tagesschau hebt hervor, dass Putins Bemühungen, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich zu bestehen, durch zunehmende Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung erschwert werden könnten.

Die Ukraine signalisiert mit ihren Angriffen nicht nur eine militärische Stärke, sondern könnte auch beeinflussen, wie westliche Partner auf den andauernden Konflikt reagieren. Während sich die Wirtschaftsverhältnisse in Russland zunehmend verschlechtern, bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklungen auf Putins Fähigkeit auswirken werden, seine Position im Land zu festigen.