Die Turbulenzen an den Finanzmärkten, ausgelöst durch die US-Zölle, haben sich mittlerweile gelegt. Trotz der Unsicherheiten zeigen sich die wirtschaftlichen Folgen der Zölle nur schrittweise. Aktuell beträgt der tatsächliche Zollsatz etwa 11%, während die offiziellen Sätze bei 17% liegen. Unternehmen ergreifen unterschiedliche Strategien, um die Auswirkungen der Zollbelastungen zu minimieren oder zu verzögern, was die volle Auswirkung auf die Preise noch ausstehen lässt. Laut e-fundresearch.com könnte ein Zollniveau von 15% nach dem Abbau von Lagerbeständen als wahrscheinliche Perspektive angesehen werden.
Eine Faustregel besagt, dass eine Erhöhung der Zölle um einen Prozentpunkt einen Inflationsanstieg um 10 Basispunkte nach sich zieht, während das BIP-Wachstum um 5 Basispunkte sinkt. Diese Regel könnte sich als relevant erweisen, da eine Erhöhung der Zölle von 2% auf 11% möglicherweise zu einem Inflationsanstieg von 0,9% und einem Rückgang des BIP-Wachstums um 0,4% führt. Die Inflationsrate liegt derzeit bei 2,9%, was teilweise auf die Zollanpassungen zurückzuführen ist. Die vollständigen Effekte dieser Maßnahmen sind jedoch noch nicht spürbar, da viele Unternehmen zunächst ihre vorhandenen Lagerbestände abarbeiten.
Globale Auswirkungen des Zollkonflikts
Die Welthandelsorganisation (WTO) prognostiziert, dass der aktuelle Zollstreit das globale Handelsvolumen im Jahr 2025 um mindestens 0,2% und im schlimmsten Fall um bis zu 1,5% reduzieren wird. Ohne die bestehenden Zollkonflikte wäre ein Wachstum von etwa drei Prozentpunkten mehr möglich gewesen, was die Tragweite der Situation verdeutlicht. Für Nordamerika, insbesondere die USA und Kanada, werden die größten Rückschläge erwartet. Das BIP-Wachstum in Nordamerika wird auf lediglich 0,4% geschätzt, im Vergleich zu zuvor prognostizierten 2%.
Die US-Zölle führen zu einem dramatischen Rückgang der Exporte aus China in die USA um 77%. Über alle betroffenen Regionen hinweg könnten die Exporte in Amerika um 12,6% und die Importe um 9,6% sinken. Während Europa weniger betroffen ist, wird ein moderater Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 1,2% prognostiziert, was eine Reduzierung gegenüber den anfänglichen Schätzungen darstellt. Der WTO-Bericht basiert auf den Zollregeln vom 14. April.
Die deutsche Wirtschaft unter Druck
In Deutschland stagnierte das reale BIP im Winterhalbjahr 2024/25 nahezu, mit einer Rate von -0,2% im vierten Quartal 2024 und +0,4% im ersten Quartal 2025. Die Exporte brachen Ende 2024 ein, erholten sich jedoch im folgenden Quartal. Ein Vorzieheffekt bei Exporten in die USA ist vor dem Hintergrund höherer US-Zölle zu beobachten. Während Unternehmensinvestitionen nur leicht zurückgingen, zeigt sich der private Konsum dynamischer als zuvor erwartet, unterstützt durch einen robusten Arbeitsmarkt und sinkende Energiepreise.
Die fiskalpolitischen Veränderungen, einschließlich einer Lockerung der Schuldenbremse, haben dazu beigetragen, dass Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur finanziert werden. Die künftigen wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands werden stark durch die US-Handelspolitik und die Neuausrichtung der Fiskalpolitik beeinflusst, was zu einer erwarteten Verlangsamung des Wachstums bis 2025 führt. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar erhöht, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie weiter belastet.
Zusammenfassend zeigt die Entwicklung der Zölle und der globalen Handelsbeziehungen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen nach wie vor schwer abzuschätzen sind. Die Unsicherheiten durch den Zollstreit machen es schwierig, klare Prognosen für die kommenden Jahre aufzustellen. Die Handelsgespräche, insbesondere im Rahmen des USMCA, bleiben entscheidend für die künftige Entwicklung der Handelsbeziehungen und der globalen Wirtschaft. Ein langfristiger Wandel in der Struktur der Globalisierung ist denkbar, mit möglichen regionalen Handelsblöcken, die aus den derzeitigen Konflikten hervorgehen könnten.