Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat seit Juni 2025 die Rolle des Trusted Flagger übernommen und trägt damit zur Bekämpfung illegaler Inhalte auf Online-Plattformen bei. Diese Initiative basiert auf dem im Jahr 2024 aktualisierten Digital Services Act (DSA), der einen klaren Rahmen für den Umgang mit solchen Inhalten festlegt. Trusted Flagger haben die Aufgabe, mutmaßlich illegale Inhalte zu melden, und Plattformen sind verpflichtet, diese Meldungen schnell und bevorzugt zu überprüfen und Rückmeldungen zu geben. Allerdings zeigt der erste Jahresbericht, dass die Umsetzung dieser Vorschriften auf mehreren Plattformen nicht den gesetzlichen Anforderungen genügt. Einige Anbieter ließen Meldungen entweder unbeantwortet oder gaben nur unzureichende Rückmeldungen, berichtet der Verbraucherzentrale Bundesverband.
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, hebt die Bedeutung des Trusted Flagger-Systems für den Verbraucherschutz hervor. Es sei essenziell, dass Meldungen von vertrauenswürdigen Hinweisgebern, wie dem Verband, ernst genommen werden. Die gemeldeten Inhalte umfassen unter anderem Werbung für einen Unterwäsche-Fakeshop auf Facebook, irreführende Gesundheitsannoncen auf Instagram, die falsche Heilversprechen machten, und unsichere Produkte, wie einen beheizbaren Hoodie, der Verletzungen verursachen kann.
Herausforderungen für den Verbraucherschutz
Die Herausforderung für den Verbraucherzentrale Bundesverband und andere Trusted Flagger liegt in der Umsetzung der Meldemechanismen. Laut Berichten zeigen nur etwa die Hälfte der gemeldeten Inhalte eine wirksame Reaktion, da viele Plattformen nicht genügend auf die Hinweise reagieren. Diese ineffiziente Verarbeitung von Meldungen wird als Verstoß gegen den DSA angesehen und ist Teil einer breiteren Herausforderung innerhalb des Systems, das angeblich enttäuschende Ergebnisse liefert. Zu den betroffenen Plattformen gehört auch Google, das als Mitentwickler des Trusted-Flagger-Systems kritisiert wird, da es häufig nicht adäquat auf eingehende Meldungen reagiert, merkt Heise an.
Insgesamt sind in Deutschland bislang vier Organisationen als Trusted Flagger zertifiziert, dazu zählen neben dem Verbraucherzentrale Bundesverband auch Organisationen wie HateAid und „REspect!“. Diese vertrauenswürdigen Hinweisgeber besitzen einen privilegierten Meldekanal zu den Anbietern und sind angehalten, Meldungen unverzüglich und prioritär zu bearbeiten, um größeren Schaden zu vermeiden. Trotz dieser Vorgaben gibt es in der Praxis jedoch häufig Schwierigkeiten, vor allem im Hinblick auf Fake-Angebote. Diese Problematik wird auch von der EU-Kommission beobachtet, die untersucht, in wie weit die Anbieter den DSA-Vorgaben entsprechen.
Um das System zu verbessern, werden in Brüssel neue Vorgaben für die Trusted Flagger diskutiert, die darauf abzielen, die Effizienz und die Reaktionsfähigkeit der Plattformen zu erhöhen. Das angestrebte Ziel ist es, einen sichereren Online-Raum für Verbraucher zu schaffen, in dem sie auf die Unterstützung von vertrauenswürdigen Organisationen vertrauen können.