Der Bedarf an digitalen Infrastrukturen in der DACH-Region nimmt erheblich zu, was sich in der Neuausrichtung der Partnernetzwerke von Unternehmen wie Vertiv widerspiegelt. Igor Grdic, Regional Director Central Europe bei Vertiv, informierte auf der SDCA General Assembly 2026 über die strategischen Pläne des Unternehmens in der Region. Der Fokus liegt dabei auf technischer Expertise, um den Anforderungen eines Marktes gerecht zu werden, der laut Schätzungen von Vertiv im Jahr 2026 ein Volumen von etwa 3,5 bis 5 Milliarden Euro erreichen könnte. Das Wachstum wird durch den enormen Kapazitätsausbau für Cloud- und KI-Anwendungen angetrieben, was die Bedeutung von Rechenzentren erhöht. Der Markt in der gesamten EMEA-Region wird sich voraussichtlich auf 15 bis 20 Milliarden Euro belaufen, wobei der steigende Bedarf insbesondere von KI-getriebenen Anwendungen kommt.
Ein zentraler Aspekt bei diesen Entwicklungen ist die steigende Nachfrage nach leistungsfähiger Rechenzentrum-Infrastruktur. Laut Sascha Horn, Regional Strategic Account Manager DACH bei Vertiv, sind drei wesentliche Trends in der DACH-Region zu beobachten. Zum einen die zunehmende Nachfrage nach KI-fähiger Infrastruktur, die Racks erfordert, die bis zu 100 kW und teilweise sogar über 120 kW leisten können. Zum anderen gewinnt die digitale Souveränität an Bedeutung, was neue Anforderungen an die Rechenzentrumsinfrastruktur stellt. Schließlich wird auch die Konnektivität zwischen Cloud-, Edge- und On-Premise-Umgebungen immer entscheidender.
Technologische Innovationen und Nachhaltigkeit
Vertiv setzt auf innovative Kühltechnologien, um den hohen Anforderungen an die Rechenzentrumskapazitäten gerecht zu werden. Lösungen wie Direct-to-Chip-Kühlung für GPU-intensive KI-Workloads und Immersion Cooling mit Kapazitäten von bis zu 200 kW pro Einheit sollen Energieeffizienz und Temperaturmanagement verbessern. Diese hybriden Konzepte ermöglichen eine schrittweise Umstellung von Luft- zu Flüssigkeitskühlung und tragen zu PUE-Werten (Power Usage Effectiveness) nahe 1,0 bei. Der modulare und skalierbare Aufbau von Rechenzentren durch den Einsatz von Prefab-Systemen wie Vertiv SmartRun oder PowerMod ist ebenfalls ein Schlüssel zu flexibler Skalierung und einem nachhaltigen Betriebsmanagement.
In diesem Zusammenhang gewinnt das Nachhaltigkeitsmanagement als Wettbewerbsfaktor zunehmend an Bedeutung. Von der Integration hocheffizienter Flüssigkeitskühlsysteme bis hin zu Retrofit-Möglichkeiten für bestehende Rechenzentren plant Vertiv eine umfassende Verbesserung der Infrastruktur. Dies umfasst unter anderem den Einsatz von Holz in TimberMod-Modullösungen zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der CO2-Emissionen. Die kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz wird durch Monitoring-Softwarelösungen unterstützt, die ein adaptives Infrastrukturmanagement ermöglichen.
Wachstum der Rechenzentrumskapazitäten und Investitionen
Das Wachstum der Rechenzentren in Deutschland ist ein weiterer Faktor, der die strategischen Pläne von Vertiv untermauert. Bis 2030 wird eine Investition von insgesamt 12 Milliarden Euro in Rechenzentren erwartet, wobei die Kapazitäten um 70 Prozent steigen sollen. Aktuell gibt es in Deutschland circa 2.000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von mehr als 100 Kilowatt, von denen 100 eine Leistung von über 5 Megawatt haben. Prognosen zeigen, dass die KI-Rechenzentren sich von 530 Megawatt auf 2.020 Megawatt vervierfachen werden. Der Anteil dieser speziellen Rechenzentren wird auf 40 Prozent der Gesamtkapazitäten ansteigen.
Der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland wird bis 2025 auf 21,3 Milliarden kWh ansteigen, was die Bedeutung der Energieeffizienz unterstreicht. Vertiv und andere Unternehmen stehen hier vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur entsprechend auszubauen und gleichzeitig den Anforderungen der digitalen Souveränität und der wachsenden Kritikalität von Rechenzentren gerecht zu werden. Angesichts dieser Trends wird das Thema digitale Infrastruktur weiterhin im Mittelpunkt der Diskussionen stehen, insbesondere während wichtiger Events wie dem Bitkom Data Centre Summit 2025, der am 13. November in Berlin stattfindet.