Die Westbalkanländer Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Albanien präsentieren sich zunehmend als attraktive Standorte für Informationstechnologien (IT). Dieser Wandel, der auch auf die gute Ausbildung in MINT-Fächern und junge talente reaktive Fachkräfte zurückzuführen ist, hat dazu geführt, dass die Region bei internationalen Investoren und Unternehmen immer gefragter wird. Wie Germany Trade & Invest berichtet, erzielte Serbien im Jahr 2024 einen Anstieg der IKT-Dienstleistungsexporte um 20 Prozent auf etwa 4 Milliarden Euro. Diese positive Entwicklung ist nicht zuletzt auf die kulturelle Nähe zu Deutschland zurückzuführen, die den Zugang für Unternehmen wie Siemens Mobility und Deutsche Telekom erleichtert.
Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Dominanz von Start-ups und kleinen Unternehmen in der IT-Branche, während gleichzeitig große Firmen wie Microsoft und Oracle in der Region Fuß fassen. In Serbien waren im Jahr 2024 rund 5.700 Firmen mit etwa 56.000 Angestellten im Bereich Programmierung und Beratung aktiv; in Bosnien und Herzegowina waren es etwa 3.600 Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten, und in Albanien rund 3.500 Firmen mit etwa 40.000 Beschäftigten im gleichen Bereich.
Wachstum und Herausforderungen in der IT-Industrie
Der Wandel zur IT-Region erfolgte nicht ohne Herausforderungen. Trotz der vielversprechenden Entwicklung sehen sich die Länder des Westbalkans, die eine turbulente Vergangenheit und politische Instabilität hinter sich haben, mit Hindernissen konfrontiert, darunter das Fehlen von verfügbarem Privatkapital und begrenztem Investoreninteresse. Dennoch zieht der Westbalkan dank der Initiative „Open Balkan“, die 2019 ins Leben gerufen wurde, zunehmend internationale Technologieunternehmen an. Diese Initiative zielt darauf ab, Handelsbarrieren abzubauen und den Austausch von Ressourcen sowie Wissen innerhalb der Region zu fördern, was wiederum die Attraktivität für ausländische Investitionen in die IT-Branche erhöhen könnte.
Die hohe Arbeitgeberattraktivität wird zudem durch wettbewerbsfähige Gehälter und Gleichbehandlung verstärkt, was die Loyalität der Mitarbeiter fördert. Um diesen Trend weiter zu unterstützen, haben die Regierungen der Region steuerliche Anreize geschaffen, um die Ansiedlung von IT-Unternehmen zu begünstigen. Mehr als 10 Prozent der Hochschulabsolventen in den sechs Nicht-EU-Ländern, darunter Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien, streben Karrieren im IT-Sektor an, was die zukünftige Entwicklung in diesem Bereich erheblich beeinflussen könnte.
IT-Services und Geschäftsmodelle
Das Spektrum der angebotenen IT-F Dienstleistungen ist breit gefächert und umfasst Softwaredesign, Entwicklung, Künstliche Intelligenz, Big Data, App-Entwicklung, Cloud-Lösungen, maschinelles Lernen, Robotik und Cybersicherheit. Die Geschäftsmodelle sind sowohl flexibel als auch kosteneffizient. Oft basieren sie auf Serviceverträgen, und die Abrechnung erfolgt häufig stundenweise oder pauschal. Datenschutz und der Schutz des geistigen Eigentums spielen ebenfalls eine zentrale Rolle, obwohl die bestehenden Datenschutzgesetze in der Region oft nicht ausreichend durchgesetzt werden.
Um sicherzustellen, dass Unternehmen in der Region den benötigten Anforderungen entsprechen, empfiehlt es sich, bei der Beschaffung eine Checkliste zu nutzen. Diese kann folgenden Punkte umfassen:
- Vorauswahl qualifizierter Anbieter
- Einholung von Firmenprofilen und Lebensläufen
- Technische Eignung und Sprachkenntnisse prüfen
- Zertifikate und DSGVO-Konformität prüfen
- Pilotprojekt zur Qualität und Kommunikation
- Vor-Ort-Besichtigung
- Servicevertrag verhandeln
- Projektziele und Meilensteine festlegen
- Vertragsabschluss
- Onboarding mit Kick-off-Meeting
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Westbalkan ein vielversprechendes Potenzial für die IT-Industrie birgt, das durch die Zusammenarbeit von Regierungen, Investoren und Unternehmen weiter gestärkt werden kann. Diese Entwicklung könnte nicht nur die wirtschaftliche Diversifizierung der Region fördern, sondern auch zur vollständigen Integration in die Europäische Union beitragen. Laut IPG Journal haben einige Unternehmen der Region bereits den Status eines „Einhorns“ erreicht, was die positiven Aussichten der noch jungen Branche unterstreicht.