Die Finanzminister der Eurozone treffen sich am Montag in Brüssel, um die Wirtschaftspolitik für das Jahr 2023 zu besprechen. Hauptthema des Treffens ist der digitale Euro, dessen Einführung die EU für dieses Jahr plant. Deutschland wird durch Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) vertreten, der erstmals persönlich im neuen E6-Format mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und Polen zusammenkommt. Ein zentrales Thema des Mittagessens wird die europäische Souveränität sein.

Wie Computer Bild berichtet, haben sich die EU-Finanzminister nach zweieinhalb Jahren auf den Aufbau einer Digitalwährung geeinigt, die als „wichtiger Meilenstein“ für die Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr von großen US-Konzernen wie Visa und Mastercard gilt. Ziel ist es, den digitalen Euro als Ergänzung zum Bargeld einzuführen. Derzeit agieren internationale Systeme, die 64 Prozent aller Kartenzahlungen abwickeln, im Hintergrund.

Fortschritte bei der Einführung des digitalen Euro

Die Einigung über den digitalen Euro tritt nun in eine entscheidende Phase ein. Drei zentrale Institutionen werden den Zeitplan und die Ausgestaltung bestimmen. Der EU-Rat hat bis Weihnachten 2025 eine Verhandlungsposition festzulegen. Laut deutsche-wirtschafts-nachrichten wird das Europaparlament voraussichtlich im Mai 2026 über seine eigene Position entscheiden. Sollte der gesetzliche Rahmen feststehen, beginnen die Trilog-Verhandlungen zwischen dem EU-Rat und dem Parlament. Der gesetzliche Rahmen könnte 2026 finalisiert werden, wobei die Europäische Zentralbank (EZB) plant, ein Pilotprojekt Mitte 2027 zu starten.

Die notwenige Grundlage für die Ausgabe des digitalen Euro könnte ab 2029 bereit sein. Dabei bleibt die Skepsis unter Banken und in Teilen des Parlaments groß. Die deutschen Banken haben Bedenken hinsichtlich der bürokratischen Überfrachtung und der hohen Implementierungskosten, die Steuerzahler belasten könnten. Sparkassenpräsident Ulrich Reuter äußerte sich kritisch zu den möglichen Kostenrisiken. Auch Tanja Müller-Ziegler vom BVR mahnte zur Vorsicht und fordert, nur in den digitalen Euro zu investieren, wenn privatwirtschaftliche Alternativen gescheitert sind.

Lars Klingbeil bezeichnete die Einigung als einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur digitalen Integration und zur Stärkung der europäischen Souveränität. Zusätzlich wird das Gesetzespaket das Bargeld stärken und Lösungen für Fragen zur Privatsphäre beinhalten. Dieses umfassende Projekt beginnt, die Finanzlandschaft der Eurozone nachhaltig zu verändern und eröffnet Diskussionen über die Zukunft der Währung im digitalen Zeitalter.