Die Diskussion um die Abhängigkeit der europäischen Industrie von Mikrochips nimmt immer mehr Fahrt auf. Katherina Reiche, die Wirtschaftsministerin, hat kürzlich deutlich gemacht, dass sie die derzeitige Chip-Politik in Deutschland kritisch sieht. In einer Ansprache lobte Peter Leibinger, der Präsident des BDI, Reiche für ihr tiefes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und drängte auf Veränderungen.
Reiche äußerte Bedanken über die stark wachsende Abhängigkeit der Autohersteller und Zulieferer von dem Unternehmen Nexperia. Ihrer Meinung nach zeigen die Herausforderungen durch die Coronapandemie und die Gaskrise die Verwundbarkeit der Unternehmen auf. Dies legt nahe, dass eine Überprüfung und neuausgerichtete Strategien in der Chip-Politik dringend notwendig sind.
Kritik an der Unternehmensstrategie
Ein zentrales Anliegen von Reiche ist, dass viele Unternehmen zu sehr auf günstige Beschaffungskosten ausgerichtet sind, in dem Glauben, dass der Staat in Krisen unterstützen würde. Diese Annahme könnte sich als trügerisch erweisen. Der wirtschaftliche Druck auf die Branche ist höher denn je und Reformen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Wirtschaftsministerin Reiche kritisierte zudem, dass sowohl die Sozialdemokratie als auch die Union notwendige Reformen blockieren. Ihrer Meinung nach lässt die Unattraktivität desStandorts Deutschland, geprägt von hohen Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie, keine positiven Perspektiven ahnen. Solche Rahmenbedingungen machen es für Unternehmen schwierig, sich in einem sich schnell verändernden Markt zurechtzufinden.
Außenwirtschaftspolitik im Fokus
In ihrer Analyse erkennt Reiche auch Lücken in der Außenwirtschaftspolitik und betont die Notwendigkeit, aktiv bei wichtigen Handelspartnern präsent zu sein. Dies unterstreicht sie mit dem Vergleich ihrer beruflichen Reisen in die Ukraine mit den systematischen Reisen von Donald Trump in asiatische Länder zur Stärkung wirtschaftlicher Beziehungen.
Der Hintergrund dieser Diskussion ist nicht nur die Abhängigkeit von Nexperia. Die Blockade des Suezkanals im März 2021 durch das Containerschiff Ever Given hat die Fragilität der globalen Lieferketten eindrucksvoll illustriert. Während dieser Zeit wurde eine Vielzahl von Halbleitern und elektronischen Bauteilen transportiert, was den globalen Handelsverkehr massiv beeinträchtigte und die oben beschriebenen Probleme nur verstärkte. Hundert von Schiffen waren in dieser Zeit blockiert, was auf die Anfälligkeit der europäischen Industrie für solche Störungen hinweist.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die deutsche und europäische Industrie sich dringend mit den Herausforderungen der Chip-Krise auseinandersetzen muss. Nur durch strategische Veränderungen und klare Reformen können die Unternehmen in einem immer härter umkämpften globalen Markt bestehen.
Für weitere Informationen und Details zu den Äußerungen von Katherina Reiche und der aktuellen Chip-Politik in Deutschland, siehe FAZ und Süddeutsche.