In Hessen wird der Wohnraummangel zunehmend kritischer. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Lücke zwischen neu gebauten Wohnungen und dem tatsächlichen Bedarf sich weiter vergrößert. Laut Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest), sind die Herausforderungen, die den Wohnungsbau bremsen, vielschichtig und betreffen nicht nur die Region, sondern sind Teil eines bundesweiten Problems.

Für Hessen wird bis 2030 ein Bedarf von jährlich 26.000 neuen Wohnungen prognostiziert. Die bisherigen Bauleistungen weichen jedoch stark von diesem Ziel ab: 2023 wurden lediglich 21.300 Wohnungen fertiggestellt, gefolgt von geschätzten 18.000 in 2024. Für 2025 werden nur rund 15.000 neue Wohnungen erwartet, wobei die endgültigen Zahlen noch ausstehen. Diese Entwicklung ist alarmierend, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass jährlich 372.000 neue Wohnungen für ganz Deutschland nötig wären, um dem Bedarf gerecht zu werden, wie BfP berichtet.

Hohe Baukosten und Bürokratie

Ein Hauptgrund für die schleppende Bautätigkeit sind die hohen Baukosten, welche 2025 um über 4% im Vergleich zum Vorjahr stiegen. Dies führt zu Schwierigkeiten in der kostendeckenden Realisierung von Bauprojekten. Zusätzlich wird eine Entschlackung der Bauordnung gefordert, um den anhaltenden Rückstand beim Neubau zu überwinden. Die durchschnittlichen Mieten in Hessen liegen mittlerweile bei 7,30 Euro pro Quadratmeter, was die Dringlichkeit einer Lösung verdeutlicht.

Bundesweit sieht die Lage nicht besser aus. Eine im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ veröffentlichte Studie aus Anfang Februar 2025 zeigt, dass es in Deutschland gut 550.000 Wohnungen zu wenig gibt. Der Wohnraummangel wird durch hohe Zuwanderungszahlen verstärkt, während gleichzeitig viele Wohnungen leer stehen. So lebten im Jahr 2023 rund 52% der Bevölkerung zur Miete, was im internationalen Vergleich hoch ist.

Steigende Mietbelastung und soziale Verantwortung

Die Mieten in Großstädten sind stark angestiegen. Zwischen 2010 und 2022 steigen die durchschnittlichen Wiedervermietungsmieten um fast 70%. In Städten wie Köln liegt die Netto-Kaltmiete bei 13,44 Euro, während in München sogar über 20 Euro gezahlt werden müssen. Eine Zensus-Umfrage aus dem Mai 2022 ergab, dass 1,9 Millionen Wohnungen leer stehen, wobei viele davon seit über einem Jahr ungenutzt sind. In Großstädten wie Berlin und Hamburg ist die Situation noch angespannt, wo jede dritte leerstehende Wohnung länger als 12 Monate unvermietet bleibt.

Zugleich zeigt die Entwicklung eine ansteigende Mietbelastung: Etwa 20 Millionen Hauptmieterhaushalte gaben 2022 durchschnittlich 28% ihres Einkommens für Miete aus. Davon waren 1,5 Millionen Haushalte von einer Mietbelastung von 50% oder mehr betroffen. Angesichts dieser Zahlen ist es wenig überraschend, dass der Bedarf an sozialem Wohnungsbau steigt. Tatsächlich hat die Anzahl der Wohngeldempfänger, die Ende 2023 bei 1,2 Millionen lag, einen neuen Höchststand erreicht.

Die Ampelregierung hat sich das Ziel gesetzt, jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu schaffen, was bislang nicht erreicht wurde. In den Jahren 2021 bis 2023 stiegen die Investitionen in den sozialen Wohnungsbau erheblich, jedoch bleibt der tatsächlich geschaffene Wohnraum hinter den Anforderungen zurück. Anhand dieser Entwicklungen wird klar, dass der Wohnungsmarkt dringend Reformen und zusätzliche Investitionen benötigt, um den Herausforderungen effektiv zu begegnen.