Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt, das seit 2012 in Betrieb ist und bis zu 2.700 Mitarbeiter beschäftigt, wird zum 30. September 2026 geschlossen. Diese Entscheidung wurde im Rahmen einer Neuausrichtung des europaweiten Logistiknetzwerks getroffen, vor allem nach der Übernahme von About You. Der Standort in Erfurt war der einzige konzerneigene Logistikstandort dieser Größe in Ostdeutschland und war ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
Das Unternehmen investierte rund 100 Millionen Euro in moderne Technik wie Förderbänder und Sortiermaschinen. Nach vielen Jahren der Nutzung hat diese Technik jedoch an Wert verloren und beträgt aktuell nur noch etwa 25 Millionen Euro. Die Entscheidung, das Logistikzentrum zu schließen, begründet Zalando mit der wirtschaftlichen Unrentabilität der Modernisierung aufgrund der Konkurrenz durch modernere Standorte in Rotterdam, Amsterdam und Gießen. Daher ist unklar, ob die vorhandene Technik weiterverwendet, recycelt oder schlimmstenfalls entsorgt werden muss.
Unterstützung für betroffene Mitarbeiter
Zalando hat bereits Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan auszuarbeiten. Das Unternehmen möchte den betroffenen Mitarbeitern eine Perspektive bieten und plant, finanzielle Unterstützung anzubieten sowie über die Möglichkeit einer Transfergesellschaft zu sprechen. Mitarbeiter haben die Option, an andere Standorte umzuziehen, wobei Zalando bei den Umzugskosten unterstützen will. Der Standort in Gießen, der sich etwa zwei Autostunden von Erfurt entfernt befindet, ist noch im Aufbau.
Die Schließung des Logistikzentrums hat auch finanzielle Konsequenzen für die Stadt Erfurt. Zalando muss aufgrund der Schließung keine staatlichen Förderungen zurückzahlen, da die Bindung an die 22 Millionen Euro umfassende Förderung des Freistaates Thüringen und des Bundes 2019 nach fünf Jahren auslief. Die Mindestanzahl von 500 Arbeitsplätzen wurde erfüllt, was Rückzahlungsforderungen von Gewerkschaften wie DGB und BSW die Aussicht auf Erfolg raubt. Zukünftig könnte der Verlust des Unternehmens einen spürbaren Einfluss auf den Stadthaushalt haben, da Zalando einer der größten Arbeitgeber der Region war.
Wirkungen auf die Region
Die Stadt befürchtet, dass die Schließung zu einem Verlust von Kaufkraft führt, was insbesondere lokale Einzelhändler belasten könnte. Unterstützung für die betroffenen Mitarbeiter wird von der Bundesagentur für Arbeit angekündigt und soll in den kommenden Tagen starten. Zudem plant das Land, über die Landesentwicklungsgesellschaft aktiv zu werden, um neue Mieter für die leerstehenden Hallen zu finden. Es wird angestrebt, die Halle für bis zu fünf neue Nutzer aufzuteilen. Zalando selbst könnte in diesem Prozess ebenfalls unterstützend tätig werden, da der Mietvertrag für die Hallen bis Ende 2027 läuft und das Unternehmen an Mietkosteneinsparungen interessiert sein dürfte.
Die Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums ist somit nicht nur eine betriebliche Entscheidung, sondern hat weitreichende Auswirkungen auf die örtliche Wirtschaft und die Zukunft zahlloser Mitarbeiter.
Mehr Informationen über die Schließung finden Sie bei Thüringen24, sowie bei der Tagesschau und dem MDR.



