In Hermesdorf, einem Stadtteil von Waldbröl, wird derzeit ein innovatives Bauwerk zur Regenwasserbehandlung fertiggestellt. Ein neues Retentionsbodenfilterbecken, das über 1700 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann, befindet sich in der Endphase seiner Errichtung. Geschäftsführer Mirco Kujbida hebt die Wichtigkeit dieser Anlage hervor, die gemäß dem Trennerlass des Landesministeriums die Aufbereitung von Niederschlagswasser sicherstellt.

Das Regenwasser, das durch das neue Becken gefiltert wird, stammt von verschiedenen Quellen, darunter Straßen, Gewerbe- und Industriegebiete sowie Wohnsiedlungen. Diese Sammlung von Niederschlagswasser erfolgt derzeit ungefiltert an vier Stellen in die Homburger Bröl, was Umweltbedenken aufwirft. Das Becken ist das erste seiner Art in der Region, ein zweites, größeres Bauwerk ist bereits in Planung und soll 2024 zwischen Hermesdorf und Waldbröl errichtet werden.

Technische Details und Funktionsweise

Das Retentionsbodenfilterbecken (RBF) spielt eine entscheidende Rolle in der modernen Abwasserbehandlung. Es hilft nicht nur, die Kanalisation zu entlasten, sondern sorgt auch für die Reinigung von stark verschmutzten Abflüssen aus Mischsystemen und Straßen. Typischerweise bestehen RBF aus einem offenen Rückhaltebecken zur Abscheidung von Leichtstoffen und Partikeln sowie aus einem bewachsenen Bodenfilter, in dem das Wasser durch mikrobiellen Abbau gereinigt wird. Der gesamte Prozess wird durch die Bepflanzung mit Schilfrohr (Phragmitis communis) unterstützt, das auch die Filterfunktion stabilisiert.

Das aktuelle Becken in Hermesdorf ist mit einer Filterfläche von 1140 Quadratmetern ausgestattet, die bei Starkregen auch als Überlaufbauwerk dient. Der Einsatz von Schiebetoren regelt den Zufluss und Abfluss des Wassers, und zwei Kontrollstationen überprüfen ständig die Wasserqualität. Diese innovative Technik ist Teil einer umfassenden Strategie zur Bekämpfung der Herausforderungen im Regenwassermanagement, die durch städtische Flächenversiegelung und den Klimawandel verstärkt werden.

Investition und Zukunftspläne

Die Gesamtkosten für die Anlage in Hermesdorf belaufen sich auf etwa 2,2 Millionen Euro, wobei 1,7 Millionen Euro aus Fördermitteln der NRW-Bank stammen. Das geplante zweite Becken wird voraussichtlich 4,7 Millionen Euro kosten, davon 3,5 Millionen Euro gefördert. Die Inbetriebnahme der größeren Anlage ist für 2029 angedacht und soll die Kapazität auf 7000 Kubikmeter Niederschlagswasser erhöhen.

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Der Aggerverband betreibt ebenfalls ein Bauwerk in Waldbröl an der Vennstraße, das zur Optimierung der Wasserqualität beiträgt. Diese Maßnahmen sind essenziell, um den ökologischen Stress auf die Gewässer zu verringern und einen geregelten Wasserabfluss zu gewährleisten.

Durch Retentionsbodenfilter wird nicht nur die Wasserqualität deutlich verbessert, sondern auch die Biodiversität gefördert. Diese nachhaltigen Lösungen sind wichtig, um den Auswirkungen der Flächenversiegelung und des Klimawandels entgegenzuwirken und tragen somit zur ökologischen Aufwertung der Region bei.