
Die Arbeitsmarktlage in Deutschland hat sich im August 2025 dramatisch verschlechtert. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen überschritt erstmals seit über zehn Jahren die Drei-Millionen-Marke und erreichte laut Bundesagentur für Arbeit 3,025 Millionen. Dies ist ein Anstieg von 153.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr, was eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent zur Folge hat. Der Anstieg ist nicht nur eine momentane Erscheinung, sondern gibt den besorgniserregenden Zustand der deutschen Wirtschaft wider, der von einer anhaltenden Rezession geprägt ist. Dies berichtet Deutschlandfunk.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas fordert deshalb umfangreiche Investitionen in die Wirtschaft, um das Wachstum zu generieren, das aktuell dringend benötigt wird. Die Bundesregierung hat bereits verschiedene Impulse gesetzt, um die negative Entwicklung zu bekämpfen. Arbeitgeber-Präsident Dulger hingegen hebt hervor, dass die Auswirkungen von fast drei Jahren Rezession deutliche Spuren hinterlassen haben. Er plädiert für umfassende Reformen, um den Arbeitsmarkt nachhaltig zu stabilisieren.
Besonders betroffene Branchen
Die Schwierigkeiten sind vor allem in der Industrie, der Baubranche, im Handel sowie im Dienstleistungssektor spürbar. In der Industrie haben die anhaltenden Rezessionsfolgen zu massiven Stellenstreichungen geführt. Bis zur Jahresmitte 2023 wurden rund 114.000 Stellen abgebaut, was einem Rückgang um 4,3 Prozent seit 2019 entspricht. Die Konkurrenz durch China, insbesondere im Bereich der Elektroautos und Maschinen, stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Auch die US-Zollpolitik belastet die Exporte erheblich, da die deutschen Exporte in die USA im ersten Halbjahr um fast 4 Prozent gesunken sind. Prognosen deuten darauf hin, dass die Lage nicht schnell besser wird, denn mehr Entlassungen als Neueinstellungen sind in der zentralen Industriebranche zu erwarten. Laut Zeit werden diese Probleme durch externe wirtschaftliche Faktoren zusätzlich verstärkt.
Im Gegensatz dazu gibt es in der Baubranche einen deutlichen Anstieg der Aufträge im ersten Halbjahr 2023. Die Bestellungen stiegen um 9,4 Prozent, und inflationsbereinigt bleibt ein Plus von 7,3 Prozent. Auch die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe legte um 0,9 Prozent zu, und es wurden mehr als 5 Prozent an neuen Stellenanzeigen gemeldet. Hier spielen die geplanten Milliardenausgaben der Bundesregierung für Infrastrukturprojekte eine entscheidende Rolle.
Auswirkungen auf den Handel und Dienstleistungen
Der Einzelhandel steht hingegen unter dem Druck einer geringen Konsumbereitschaft und der Konkurrenz durch Online-Anbieter. Branchenverbände warnen, dass im Jahr 2023 etwa 4.500 Geschäfte schließen werden. Ein Personalabbau im Handel wird weiter fortgesetzt, wenn auch weniger stark als zuvor. Die Beschäftigung im Einzelhandel sank 2024 um 1,5 Prozent, sodass über 100.000 Stellen unbesetzt blieben.
Im Bereich der Dienstleistungen hingegen gab es im zweiten Quartal 2023 einen Anstieg der erwerbstätigen Dienstleister um 178.000. Insbesondere im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit sind die Zahlen gewachsen, während in der Information und Kommunikation sowie bei Unternehmensdienstleistern Stellen abgebaut wurden. Der Tourismussektor beispielsweise zeigt aktuell eine anhaltende Nachfrage, während Leiharbeitsfirmen mit Rückgängen zu kämpfen haben.
Die gegenwärtige Lage am Arbeitsmarkt ist ernst und erfordert entschlossenes Handeln von Politik und Wirtschaft, um die Weichen für eine positive Entwicklung zu stellen.