
In der vergangenen Woche hat die Commerzbank-Aktie einen dramatischen Kurssturz von fast 12 % hinnehmen müssen. Dies folgt auf einen bemerkenswerten Anstieg über das Jahr 2023, in dem die Aktie eine Performance von über 135 % verzeichnete und nahezu die 40,00-Euro-Marke erreichte. Aktuell bewegt sich der Kurs jedoch näher an der 30,00-Euro-Schwelle, was eine Besorgnis unter den Investoren auslöst. Auf Jahressicht hat die Aktie deutlich abgeben, obwohl sie seit Jahresbeginn mit 108 % im Plus liegt, während der Euro-Stoxx-Banks-Index einen Zuwachs von 54 % aufweist. Société Générale, die zweitplatzierte Bank im Index, hat eine Performance von 91,5 % erzielt.
Analysten haben in den letzten Tagen mehrere Rückstufungen vorgenommen. So hat etwa Philipp Häßler von der DZ Bank die Commerzbank-Aktie auf „Verkaufen“ herabgestuft und hält sie für „zu hoch bewertet“. Er setzt das Kursziel bei 28,00 Euro. Benjamin Goy von der Deutschen Bank senkte seine Empfehlung von „Buy“ auf „Neutral“ und sieht den fairen Wert bei 35,00 Euro, erwartet jedoch einen potenziellen Kaufpreis von 32,00 Euro je Aktie. Trotz dieser Rückstufungen gibt es einige Gründe für den bisherigen Kursanstieg, darunter das Investitionsprogramm der Bundesregierung und positive operative Entwicklungen der Commerzbank.
Übernahmefantasien und strategische Entwicklungen
Das Thema Übernahme wird durch die Aktivitäten von UniCredit weiter angeheizt. Das italienische Geldhaus hat kürzlich angekündigt, seinen Anteil an der Commerzbank auszubauen. UniCredit-Chef Andrea Orcel erklärte dies während der Hauptversammlung und betonte, dass die Bank ohne vorherige Absprache mit der Commerzbank zum größten Aktionär geworden ist. Diese Entwicklung scheint jedoch nicht bei der Commerzbank für große Begeisterung zu sorgen. Das Unternehmen hat klargestellt, dass es weiterhin an seinen eigenen Zielen festhält und plant, ihre Gewinnziele und Dividenden zu erhöhen, um den Aktienkurs zu stabilisieren und mögliche Übernahmen zu erschweren.
Im ersten Halbjahr 2025 erzielte die Commerzbank ein beeindruckendes operatives Ergebnis von 2,4 Milliarden Euro. Allerdings gibt es auch beunruhigende Nachrichten, da die Bank plant, etwa 3.000 Stellen abzubauen, was aufgrund der bereits bestehenden Sorgen um einen massiven Stellenabbau von bis zu 15.000 Arbeitsplätzen bei den Beschäftigten auf Widerstand stößt. UniCredit hat angekündigt, mit Investitionen und Standortgarantien für eine Übernahme zu werben, könnte ihren Anteil auf 29 Prozent erhöhen, was mehr „Rechte und Einfluss“ in der Commerzbank bedeuten würde.
Politische Widerstände und Zukunftsausblick
Trotz der wachsenden Übernahmefantasien durch UniCredit gibt es Widerstände gegen diese Entwicklung, insbesondere vonseiten der Bundesregierung, die als zweitgrößter Aktionär agiert. Sollte UniCredit die 30-Prozent-Marke überschreiten, müsste sie ein offizielles Übernahmeangebot unterbreiten. Analysten und Marktteilnehmer äußern Besorgnis über die Stabilität der Commerzbank-Aktie in den kommenden Wochen. Großaktionäre haben zudem Bedenken geäußert, dass die Aktie um 5 % fallen könnte, falls UniCredit tatsächlich aussteigen sollte. Angesichts des Plus von über 100 % seit Jahresbeginn wäre dies jedoch verkraftbar.
Abschließend empfiehlt DER AKTIONÄR Investoren, die bei der Commerzbank noch nicht investiert sind, auch andere europäische Banken in Betracht zu ziehen. Die finanziellen und strategischen Entwicklungen werden weiterhin aufmerksam verfolgt, um den künftigen Kurs der Commerzbank und ihrer potenziellen Übernahme zu beurteilen.