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Deutschlands Wirtschaft in der Krise: Wo bleibt der Aufschwung?

Die deutsche Wirtschaft hat in den Jahren 2022 und 2023 einen signifikanten Rückgang erfahren. Für das Jahr 2024 wird ein Minus von 0,2 Prozent prognostiziert. Diese Entwicklungen betreffen 10 von 16 Bundesländern, wobei insbesondere industriell geprägte Gebiete wie das Saarland mit einem Rückgang von 1,9 Prozent sowie Thüringen, das 1,3 Prozent verkraften musste, stark betroffen sind. Thüringen beherbergt 600 Unternehmen in der Zuliefer-Industrie mit etwa 80.000 Beschäftigten, während im Saarland etwa 44.000 Jobs in der Automobil- und Zuliefer-Industrie angesiedelt sind – was etwa jedem neunten Arbeitsplatz entspricht. Das saarländische Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2024 rund 42,6 Milliarden Euro.

Zusätzlich zeigt sich ein Umbruch in der Automobilbranche, bedingt durch steigenden Wettbewerbsdruck aus China sowie hohe Strafzölle, was auch Rheinland-Pfalz in Mitleidenschaft zieht. Dort betrug das BIP-Minus 1,1 Prozent, was stark von der BASF sowie der Automobilindustrie beeinflusst wird. BASF beschäftigt in Ludwigshafen rund 33.000 Mitarbeiter, hat jedoch mit einem schleppenden Geschäft zu kämpfen. Dieses Bundesland ist zudem das einzige, das drei Jahre in Folge schwindende Wirtschaftsleistungen verzeichnet hat. Brandenburg verzeichnete 2024 ebenfalls einen Rückgang von 0,7 Prozent, obwohl das anfängliche Wachstum durch die Tesla-Gigafactory zunächst positiv war.

Wachstumsentwicklungen in anderen Bundesländern

Weitere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg verzeichneten ebenfalls Rückgänge in der Wirtschaftsleistung. So hatte Baden-Württemberg ein Minus von 0,4 Prozent, trotz des Erfolgs von SAP. Im Gegensatz dazu konnte Mecklenburg-Vorpommern mit 1,3 Prozent das stärkste Wachstum aufweisen, unterstützt durch den Tourismus. Schleswig-Holstein und Niedersachsen konnten ebenso zulegen, teils durch den inländischen Reise-Boom, während Hamburgs BIP um 1,7 Prozent stieg, begünstigt durch Dienstleistungen und den Hafen. Hessen profitierte von Finanzdienstleistungen und einem erholten Flugverkehr. Bayern zeigte zwar einen Rückgang, hat jedoch gute Wachstumsprognosen dank innovativer Unternehmen in der Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie.

Eine umfassende Analyse des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Jahreswirtschaftsbericht 2025 hebt die Problematik der Deindustrialisierung hervor. Das preis- und saisonbereinigte BIP Deutschlands erreichte im vierten Quartal 2024 wieder das Niveau des vierten Quartals 2019. Gründe für diese Entwicklung sind sowohl konjunkturelle als auch strukturelle Faktoren. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hat sich im internationalen Vergleich verschlechtert, wie im Ranking des International Institute for Management Development (IMD) ersichtlich ist, wo Deutschland im Jahr 2024 auf Platz 24 fiel und seit 2020 sieben Plätze eingebüßt hat. Im Vergleich dazu belegen Länder wie China und die USA die Plätze 14 und 12, während Singapur, die Schweiz und Dänemark die ersten drei Positionen einnehmen.

Die Analyse der Direktinvestitionsströme deutet darauf hin, dass eine Abwanderung von Unternehmen aus Deutschland stattfindet. Seit 2018 wurden hohe Nettoabflüsse festgestellt, die auf Deindustrialisierung hinweisen. Während die deutschen Investitionen im Ausland seit 2019 die ausländischen Investitionen in Deutschland überstiegen, gab es 2020 eine Ausnahme. Konkrete Zahlen belegen, dass die Nettoabflüsse 2019 bei etwa 85 Milliarden Euro lagen, 2021 über 81 Milliarden Euro und 2022 sogar bei 112 Milliarden Euro. Die Attraktivität Deutschlands für ausländische Investoren hat abgenommen, was zu einer anhaltenden strukturellen Krise führt. Die Industrieproduktion im verarbeitenden Gewerbe nimmt seit Mai 2018 tendenziell ab, was die besorgniserregende Entwicklung der Deindustrialisierung unterstreicht.

Tim Meisner

Tim Meisner ist ein angesehener Wirtschaftsexperte und Analyst mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der deutschen Wirtschaftslandschaft. Durch seine langjährige Tätigkeit in Deutschland hat er ein umfassendes Verständnis für lokale und nationale Wirtschaftsthemen entwickelt. Sein Fachwissen erstreckt sich von Finanzmärkten und Unternehmensstrategien bis hin zu makroökonomischen Trends. Er ist bekannt für seine klaren Analysen und durchdachten Einschätzungen, die regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien zitiert werden.

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